Tag 20 - Design und Altersheim

Im Rombergpark treffen gegensätzliche Welten aufeinander: Gestalter und die „Generation Geriatrie“.

Bei „Sissi Romberg“ gibt es Bionade, in der „Orchidee“ das wohl größte Sahnetortensortiment des gesamten Ruhrgebietes. Beide Cafés liegen an Dortmunds weitläufigem Botanischen Garten. 

In einem alten Betonkasten, der früher Hotel und Ausbildungsstätte des Wihoga war und heute unter anderem das Sissi Romberg beherbergt, hat sich Designer-Volk eingenistet. Am anderen Ende des 65 Hektar großen Botanischen Gartens residieren Rentner in gleich drei verschiedenen Seniorenheimen.

Und so heißt es an diesem Wochenende: Gesundheitssandale versus Designerschuh, wenn am Freitag um 14 Uhr für drei Tage der Heimatdesign-Markt eröffnet; ein Stelldichein junger Gestalter aus der Region.

„Am Samstag um 18 Uhr machen wir eine Modenschau“, kündigt Veranstalter Marc Röbbecke an – bei schönem Wetter draußen – und dann könnte der Gegensatz zwischen Nordic-walkenden rüstigen Rentnern, tattrigen Greisen und coolem Designerpublikum vor der Tür des Hotels am Rombergpark wohl kaum größer sein.

Ziemlich kultverdächtig ist die Idee, ausgerechnet in den durchaus schönen, aber doch leicht spießigen Park zu ziehen, in ein vergammeltes Hotel im lindgrünen 70er Jahre Look.

Röbbecke, eigentlich Wirtschaftsingenieur und mehr aus Zufall und Interesse in der Designer-Welt gelandet, ist ein Freund schräger Ideen. Die Stadt hat ihm das Gebäude überlassen; Nebenkosten mussten er und seine Mitstreiter selbst tragen. Insgesamt eine runde Sache: „Wenn nur der Sommer ein wenig besser gewesen wäre“, seufzt Röbbecke, der Ende Oktober räumen muss, weil der Betonklotz dem Bagger weichen soll.

Das Heimatdesign-Netzwerk betreibt außer dem Café einen Shop mit Design-Produkten und veranstaltet neben der ‚Messe‘ Foto-Ausstellungen – die letzte wird unter dem Motto „Heimatgrün“ laufen. Darüber hinaus gibt Röbbecke das Heimatdesign-Magazin heraus, das kostenfrei verteilt wird. Wie er das alles finanziert, will er so wirklich nicht verraten. Ob er sich nicht verzettelt, mit all den Aktivitäten, wollen wir wissen? „Nein“, er sei sich sicher, mit der verschiedene Gestaltungswelten umfassenden Heimat für Designer, das richtige Konzept zu haben.

Wer wissen will, was Röbbecke antreibt und wie er die Zukunft von Heimatdesign sieht, klickt auf den roten Button – wer wissen will, weshalb man am Wochenende unbedingt mal im Rombergpark vorbeischauen sollte, liest unten weiter!


Link: sevenload.com

 

Röbbecke ist ambitioniert und gleichzeitig limitiert: Geld ist ein knappes Gut, gerade bei jungen Designern. 150 machten mit bei seiner letzten Messe im Jahr 2006 auf der Zeche Zollverein. Darunter Webdesigner, Grafiker und Modemacher – dieses Mal werden es nur 35 sein. Auch wenn in der Zeche Zollverein andere räumliche Möglichkeiten herrschten; allein 50 Fotografen ihre Bilder ausstellten – und ein Vergleich insofern etwas ungerecht ist - gehofft hatte Röbbecke 2007 auf „40 bis 50 Teilnehmer“. Doch 200 Euro für einen Messestand von zirka 12 Quadratmetern sind gerade für Absolventen, die sich präsentieren wollen, offenbar schon zu viel. „Dabei sind die doch ein gutes Investment“, sagt Röbbecke, „wenn auch nur ein Auftrag daraus folgt, ist der Einsatz wieder drin.“

„Ich kann mich an Zeiten erinnern, da haben die Heimatdesigner nicht mal die Hälfte genommen“, sagt eine junge Gestalterin, die sich angesichts der verteuerten Konditionen gegen eine Teilnahme entschieden hat. Doch Röbbecke will weitermachen, er glaubt an das Ruhrgebiet als Gestaltungs-Metropole, die es mit Hamburg oder Berlin aufnehmen kann. Demnächst verpflanzt er Heimatdesign mal wieder, noch sucht er eine neue Bleibe. Gern würde er ins Dortmunder U einziehen. Die Stadt, so hört man, will dort möglicherweise den Versuch starten, eine Art Kreativ-Zentrum hochzuziehen.

 

Die Rentner im Rombergpark schert das alles wenig. Sie sitzen im Café Orchidee und verspeisen Schwarzwälderkirschkuchen. Der übrigens wirklich sehr gelungen ist – genau wie das 50er Jahre Ambiente der „Orchidee“. Vielleicht gehen Sie mal hin am Wochenende und schauen auch bei den Designern vorbei? Zu gucken gibt’s jedenfalls garantiert genug:

Heimatdesign Markt, Hotel Rombergpark
Mode, Grafik, Accessoires, Möbel, Fotografie,
Fr., 28.9. 14 - 20 Uhr
Sa/So, 29./30. 9. 11 bis 20 Uhr

Und zum Schluss noch eine kleine Quizfrage: Wer Marc Röbbeckes Hund auf der Foto-Collage als Erster richtig identifizieren kann, bekommt von uns ein Handy-Täschchen aus dem Pott2null-Fanshop-Sortiment. (Der Besitzer von Rosa ist von der Teilnahme übrigens ausgeschlossen :-) 

Kommentare:

Hans Joachim schreibt am 28.09.2007 09:50:

Oh, super Idee ein Wellnesspalast! Und ich dachte, die Welle sei vorbei? Anstatt was für junge Leute zu machen, irgendwas mit Perspektive. Aber man siehts mal wieder: den Alten gehört die Zukunft! Gesundheitszentrum, Grönemeyer, all die abgedroschenen Ideen. gut, dass das mit dem "kleinen Medicus" nicht geklappt hat. Der Mann ist immer an der Grenze zur Scharlatanerie unterwegs.

Katja schreibt am 28.09.2007 08:10:

kleines Update zum Rombergpark aus der Regionalpresse:

"Das (erhoffte) Engagement des Mediziners Prof. Dietrich Grönemeyer am Rombergpark: längst Geschichte. Die Pläne, am Parkeingang einen Wellness-, Gesundheits- und Hotelstandort zu etablieren, haben die städtischen Wirtschaftsförderer damit nicht aufgegeben."...

"Wie berichtet, möchte die Stadt am Rande des Rombergparks, der natürlich nicht angetastet werden soll, ein Wellnes- und Gesundheitszentrum etablieren, das weit über Dortmund hinaus strahlt." ...

"Seit langem angekündigt, sollen das Hotel, die aufgegebene Hotelfachschule und der städtische Betriebshof in diesem Winter endlich dem Erdboden gleich gemacht werden. November, spätestens Dezember, sollen die Bauten fallen. Womit 3,5 Hektar Fläche frei würden."...

Wer den kompletten Text lesen will: bei Google WAZ Rombergpark und Abriss eingeben. Der Link für den Text ist nen halben Meter lang, sonst hätte ich ihn direkt gepostet...

Katja schreibt am 27.09.2007 17:45:

@weltkind: Duisburger Hafen is in Aaabeit. Westpark gucken wir uns an. Danke und lieben Gruß und natürlich werden wir die Altersheime rocken, dass die Wände wackeln, wenns denn mal so weit is....

Regina schreibt am 27.09.2007 15:50:

Endlich ein Grund Dortmund zu besuchen, für mich als Düsseldorferin ist Dortmund, ich gestehe es, ein weißes Blatt, ich kenne nur die Innenstadt und die B1. Ich dachte immer, Dortmund sei langweilig und witziges Design gibt es nur in Köln und Berlin.......Und dann noch Torte!

weltkind schreibt am 27.09.2007 14:43:

auch als erklaerter design-hasser kann ich nur sagen: wieder mal ein sehr amuesanter und gleichzeitig informativer artikel.

dortmund ist für mich uebrigens neben duisburg die frischeste und lebendigste stadt im revier (macht doch mal was ueber den duisburger hafen). mit dem rombergpark hat sich der gute mann aber auch wirklich die spiessbuergerlichste ecke von dortmund ausgesucht. besser iss hier http://de.wikipedia.org/wiki/Westpark_(Dortmund). und in 30 jahren rocken wir sowie die seniorenresidenzen, schwestern!

Antonia schreibt am 27.09.2007 11:45:

Wollte nur mal sagen, es gibt mehr als Röbbecke auch wenn der immer so tut als hätte er das Designthema für sich gepachtet. viele kompetente Agenturen und auch andere witzige Konzepte - guckt euch mal um bei Plankton in Dortmund. Auch ein Shop, auch eine Galerie, viel witziger als heimat ... das nur als Tip
http://www.my-plankton.de/

Friederike schreibt am 27.09.2007 09:09:

Ja, das ist unsere Zukunft: Ein Land voller Rentner. Das kann man sich im Rombergpark sehr schön angucken. Das Schöne ist die meisten sind wirklich aktiv und fit, auch das kann man im Park beobachten. aber gegen die demografische Überalterung unserer Gesellschaft ist nichts mehr zu machen. Mir tun unsere Kinder leid, die werden eines Tages von Rollatoren umzingelt sein. Heimatdesign könnte sich doch auf schickes Design für die 'Generation G' spezialisieren - das wäre doch mal ein Markt, da ist noch viel Platz.

Holger schreibt am 27.09.2007 09:04:

Rombergpark ein Volltreffer!!
Zum einen habe ich im Rombergpark das erste Mal geknutscht und durfte diese Erinnerung gerade noch mal Revue passieren lassen.
Zum anderen gibt es im Cafe Orchidee nicht nur die dicksten Sahnetorten, sondern auch die beste (selbstgemachte!) Gulaschsuppe.
Danke für den Bericht, denn ich bin glücklicherweise gerade an diesem Wochenende mal wieder in Dodge und werde den Designermarkt natürlich mitnehmen.
Thnx. Holger
PS: Gut knutschen kann/konnte man in der alten Chinesischen Pagode.
PPS: Der große Bruder von SissiRomberg ist das geliebte SissiKingKong im DO-Hafen: http://www.sissikingkong.de/

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