Tag 16 - Afrika mitten im Revier

Der Zoo Gelsenkirchen stand vor der Alternative: Schließung oder Wandel - und entschied sich für einen kompletten Neuanfang.

Heute sind wir in Gelsenkirchen - und besuchen Aja Sabe, Antonia und Ascita. Das sind drei Damen aus dem Zoo Gelsenkirchen: Das Giraffenweibchen Aja Sabe und die Flusspferddame Ascita leben dort in Afrika, Eisbärin Antonia in Alaska. So heißen die beiden Erlebniswelten, in die man mitten im Ruhrgebiet eintauchen kann. Ab 2009 kommt Asien noch hinzu.

Der Zoo Gelsenkirchen hat einen tiefgreifenden Wandel hinter sich: von einer schäbigen Tierverwahrungsstation hin zu einem der schönsten Zoos Deutschlands. Rund 90 Millionen Euro steckt die Stadt über ihr Tochterunternehmen Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) in die Modernisierung des Tierparks - und kann sich jetzt über steigende Besucherzahlen freuen. Im vergangenen Jahr kamen rund 780 000 Menschen in die neue Zoom Erlebniswelt, dreimal so viel wie noch 2004. Im laufenden Jahr werden es wohl eine Million Besucher sein. 

Die Stadt, die mit 21,9 Prozent eine der höchsten Arbeitslosenquote des Landes besitzt und hoch verschuldet ist, hatte lange mit sich gerungen. Mitte der Neunziger Jahre wurde sogar über die Schließung des Zoos nachgedacht. Denn die Zustände im alten Ruhr Zoo waren nicht mehr länger haltbar (Die Fotos unten sind aus einem alten Exkursionsbericht der Zoo AG an der Uni Bielefeld). Die Tiere hausten in engen Gehegen, die Gitter der Käfige waren rostig – und einige Tiere angesichts ihrer maroden Umgebung am Durchdrehen. „Es war so trostlos, dass die Leute sich das nicht mehr antun wollten und wegblieben“, sagt Sabine Haas, Biologin am Zoo Gelsenkirchen.

Die erbärmlichen Zustände boten aber die Chance, den Tierpark am Rhein-Herne-Kanal komplett neu zu erfinden. Ende 2000 begann die Verwandlung mit dem ersten Spatenstich für den Neubau der Löwen- und Hyänen-Anlage. Ähnlich wie der Zoo Leipzig und der Zoo Hannover siedeln die Gelsenkirchener die rund 400 Tiere des Zoos nach den Gegenden an, in denen sie in der Natur zusammen leben. Das zoologische Konzept präsentiert die Tiere wie in freier Wildbahn: Die Gehege sind weitläufig und ihre Begrenzungen mit Wassergräben oder Schilf getarnt. Sie bieten den Tieren genügend Rückzugsmöglichkeiten, wo sie sich den Blicken der Betrachter entziehen können. In der Erlebniswelt Afrika etwa entstanden auf 14 Hektar aufwändige Gras-, Busch- und Feuchtsavannen. Wer hier auf dem 1,8 Kilometer langen Rundweg durchgeht, fühlt sich wie auf einer Safari in Südafrika oder Tansania.

Wer erfahren möchte, wie die Tiere mit ihrem neuen Zuhause klar kamen, liest unten weiter. Wer mit Nilpferddame Hilde und Biologin Haas eine kleine Tour durch den Zoo machen möchte, klickt auf den roten Button:


Link: sevenload.com

 

Während die meisten normalen Besucher begeistert sind, stößt das Konzept der Zoom Erlebniswelt bei einigen Zoologen auch auf Kritik. Sie stören sich an der Präsentation der Tiere als Event und an Elementen wie etwa der Bootstour oder der Goldmine aus der Welt der Freizeitparks. Den Besuchern gefallen die Zusatzerlebnisse, den Tieren seien sie gleichgültig, meint Biologin Haas, für sie sei „die Weitläufigkeit der Gehege und die Naturbelassenheit wichtig.“

An die Freiheit in den neuen Gehegen mussten die Tiere sich erst gewöhnen. Haas vergleicht deren Situation mit der „einer alten Dame, die 60 Jahre in einer kleinen Kellerwohnung verbrachte und beim Umzug in ein modernes Penthouse erstmal unglücklich ist.“ So haben sich die beiden Schimpansenweibchen Lady und Djuba, die früher auf Beton und hinter Gittern wohnten, zunächst nicht getraut, auf das Gras zu treten und die Bäume zu klettern. Erst allmählich eroberten sie ihr neues Terrain. Auffällig war zudem, dass die Tiere im ersten Jahr nach dem Umzug sich mit Nachwuchs zurückhielten. Auch Tiere haben so ihre Schwierigkeiten mit Wandel.

Kommentare:

fabienne schreibt am 27.11.2008 21:22:

der gelsenkirchener zoo ist voll hammer

Regina schreibt am 27.09.2007 15:31:

Ja, der Zoom-Park ist ein moderner Vermarktungszirkus, ja, das Ganze hat Eventcharakter. Aber meine Kinder und meine Freunde findens toll (beim Goldgräber haben sie auch immer Angst), ich war schon drei Mal da. Und für GE ist es aus meiner Sicht ein Segen. Wer all die Autos auf dem Parkplatz sieht, erkennt, welche Strahlkraft so ein Projekt für eine Stadt hat. Wie wärs, wenn GE nicht die "Stadt mit den meisten Arbeitslosen, die ohne Schalke längst durchgedreht wären" mehr ist, sondern auch die Stadt mit dem "attraktiven Tierpark, schöner als Hagenbeck..., da müssen wir mal hin"

Klaudia schreibt am 24.09.2007 13:40:

Ich war dieses Jahr einmal im Zoom und war sehr positiv überrascht. Dazu muss ich sagen, dass ich seit Jahren bis auf eine Ausnahme (Duisburger Zoo bei Nacht)keinen Zoo mehr von innen gesehen habe, weil ich seit meiner Kindheit einfach total abgeschreckt bin von den grausamen Verhältnissen. Da fande ich Zoom einen sehr guten Einstieg.

Ich war seitdem aber nirgendwo anders, habe also absolut keinen Vergleich.

Afrika im Zoom war damals leider noch nicht ganz fertig. Dafür habe ich aber einen der besten Herzklopfen-Momente dort erlebt. Auge in Auge mit einem riesigen Löwe, vielleicht 10 cm Entfernung. Das war toll!!

Katja schreibt am 24.09.2007 12:59:

@weltkind: Die Passage mit dem Goldgräber Sam ist in unserem kleinen Video zu sehen! Mir persönlich hat das auch nicht gefallen und ich teile Deine Kritik.
Die Afrika-Zone ist mein Favorit: Weniger Event, dafür toller Natur-Charakter.

weltkind schreibt am 24.09.2007 12:44:

schoener bericht, der auch die schattenseiten nicht ausspart. dazu faellt mir ein kleines erlebnis im zoom ein:

es gibt da ja in der alaska-welt diese goldgraeberhoehle: man geht da rein, und dann geht ein film ab und ein typ wie aus einem kitschschinken von karl may faengt an loszuberserkern, rum zu schreien und drohungen auszustossen. dazu knallt es wie bei einer explosion. sehr laut und sehr aufdringlich das ganze. ein kleines kind - so drei, vier - fing dabei dermassen an zu schreien, dass die mutter mit ihm raus gehen musste und es kaum beruhigen konnte. der kleine war total in panik und hat furchtbar geheult, das kerlchen.

dieser zoo mit dem daemlichen titel zoom (wer denkt sich solche namen aus -fast so gelungen wie evonik *ggg*) ist genau das, was kritiker an ihm nicht gut finden: ein allein am interesse des vergnuegungssuechtigen menschen orientierter vergnuegungspark mit klamauk und tieren als filmkulisse. mehr nicht.

fahrt lieber nach bochum in den tierpark - ist billiger und vor allem aufrichtiger dort. und den schoenen stadtpark habt ihr dort gleich umsonst. und an die potteusen: macht weiter so!

Holger schreibt am 24.09.2007 08:36:

Ich finde das Zoom Projekt exzellent. Gerade auch im Gegensatz zu den sonstigen MovieWorld und sonstigen Projekten im Spielothekenniveau.
Auch wenn man über die sinnvolle Allokation von 90 Mio. € streiten könnte. Aber wo/wie ist das Geld sinnvoll investiert? An Geld und Fördermitteln in der Region hat es in der Vergangenheit gar nicht so gemangelt(s.a.http://www.ziel2-nrw.de/docs/website/de/home/index.html)
Es geht doch auch darum, der neben der (leider nur wenig vorhandenen) Arbeit in der Freizeit eine Perspektive zu geben. Man hört/spricht doch ansonstem vom nördlichen Ruhrgebiet nur noch im Sinne von "verödenden Landschaften". Wenn nun die Leute vor Ort ein wirkliches Highlight haben und es intensiv nutzen ist das doch eine gute Entwicklung. Und wenn selbst Leute aus Köln nun nach Gelesenkirchen fahren... auch wenn die eigentlich keiner braucht...

Revierperle schreibt am 23.09.2007 20:34:

Gelsenkirchen ist ein toller Zoo. Aber wie ihr richtig schreibt, hat die Stadt über 20 !!! Prozent Arbeitslose. 90 Millionen für einen Tierpark auszugeben ist in dieser Lage wirklich nicht angebracht. Und wie, darf ich mal fragen, soll sich diese Summe jemals refinanzieren? Erwachsene zahlen 12 Euro für eine Tageskarte, Kinder 8 oder 9. Familienkarten sind noch günstiger. Und jetzt ist noch alles nagelneu. die ganzen Kosten die noch kommen, für Pflege und Erhaltung der Anlagen, sind da doch bestimmt noch gar nicht drin.

Katja schreibt am 22.09.2007 09:04:

Wer es übrigens kleiner mag, der besucht den Tierpark in Bochum. Den empfiehlt das Weltkind. Interessanter Text dazu in ihrem Blog:

http://theruhr.blogspot.com/2007/09....bochum-der-oertliche.html

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