Tourismus - Inszenierung von Geschichte

Monika Dombrowsky von Tour de Ruhr weiß, was Touristen wünschen: Sie organisiert seit 20 Jahren Reisen im Ruhrgebiet. 

2,47 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Ruhrgebiet, damit ist der Pott - nach Köln plus Umland - die am meisten besuchte Region in Nordrhein-Westfalen. Im Durchschnitt bleiben sie zwei Tage hier und besuchen die Klassiker der Route Industriekultur: die Zeche Zollverein in Essen, den Gasometer in Oberhausen oder das Bergbaumuseum in Bochum.

(Copyright Fotos: Regionalverband Ruhr)  

Und was machen sie sonst noch? Wir fahren in den Landschaftspark Nord in Duisburg und fragen eine, die es wissen muss: Monika Dombrowsky, Geschäftsführerin des Reisebüros Tour de Ruhr mit Sitz im Besucherzentrum des Parks, organisiert seit 20 Jahren Reisen im Ruhrgebiet - und kennt den Geschmack der Touristen. „Ein absoluter Renner sind Fahrten mit historischen Fahrzeugen“, sagt die gebürtige Essenerin. Ob die Dampfzugfahrt durch den Pott, die Panoramarundreise mit dem historischen Schienenbus oder eine Tour mit einer alten Tram quer durch das Ruhrgebiet – diese Angebote sind als erstes ausgebucht.

Sehr beliebt sind auch Radtouren auf dem Ruhrtalradweg – da lässt sich Sport ideal mit der Besichtigung von Industriekultur und dem Erleben von Natur kombinieren. Und: „Die Kunden wollen in der Regel die Standards wie etwa die Tour „Stahl und Hafen“ in Duisburg oder Nachtführungen durch den Landschaftspark Nord“, weiß Dombrowsky, die seit der Gründung von Tour de Ruhr mit ihrem Team rund eine Million Besucher betreut hat.

 

An solche Zahlen war vor 20 Jahren gar nicht zu denken. „Damals war der Ruhrgebietstourismus noch ein Pflänzchen“, erinnert sich Dombrowsky. Zusammen mit drei anderen Mitstreitern gründete die Sozialpädagogin 1988 in Bochum-Wattenscheid eine kleine Firma, die Stadtrundgänge im Revier anbot. Aber erst mit der Internationalen Bauausstellung Emscher Park kam das Geschäft so richtig in Schwung. Tour de Ruhr führt seitdem das Besucherzentrum im Landschaftspark Nord und organisiert allein dort 2000 Führungen pro Jahr – wie etwa die Familientour „Hunde, Fuchs und Ofensau“, über die wir an Tag 22 unserer pott2null-Tour berichten. Heute beschäftigt das Reisebüro acht Mitarbeiter und etwa 30 bis 40 freiberufliche Führer.

Bei einigen ihrer Angebote verfolgt Dombrowsky einen alternativen pädagogischen Ansatz: „Wir setzen auf die Inszenierung von Geschichte oder bestimmter Themen.“ Bei der Tour „Goldene 20er“, einer Tramfahrt entlang der Kuturlinie 107 in Essen, erklären deshalb nicht Führer, sondern Schauspieler im Orginal-20er-Jahre-Outfit die damalige Zeit. Oder: Zur Erkundung des Landschaftsparks Nord bietet Tour de Ruhr Rallyes mit GPS-Geräten an. „Das kommt bei den Kunden gut an.“

Wer wissen möchte, wie Dombrowsky die Vorbereitung zur Kulturhauptstadt 2010 beurteilt, der liest unten weiter. Wer erfahren will, woher der Name Tour de Ruhr stammt und was sie am Ruhrgebiet am meisten nervt, der klickt auf den roten Button: 

Link: sevenload.com

Wie alle Reiseveranstalter im Revier freut sich Dombrowsky auf die Kulturhauptstadt 2010. „Das wird großes Kino, wir erwarten uns einiges davon.“ Doch noch fehlt es an konkreten Programmen, keiner weiß so recht, wohin die Reise hingehen soll. Dabei würden die Revier-Tourismusexperten schon jetzt Details für die Ausarbeitung ihrer Angebote brauchen. Die Tour-de-Ruhr-Geschäftsführerin treibt aber noch eine andere Sorge um: „Die Macher der Kulturhauptstadt wollen 2010 den großen Knall, aber sie verfolgen keine nachhaltige touristische Perspektive.“

Um zum Schluß wollen wir natürlich von der Revierkennerin Dombrowsky noch wissen, was ihre ganz persönlichen Tipps für den Pott sind. Sie nennt uns zwei - den Wasserturm Aquarius in Mülheim und die aktuelle Ausstellung "Das Auge des Himmels" im Gasometer Oberhausen.