Brauerei Fiege - Die Zwiebelring-Taktik

Wie zwei Bochumer Brauer aus der Marke Moritz Fiege  d a s  Ruhrgebietsbier machen wollen. 

Heute sind wir in Bochum und besuchen den einzigen Bierhersteller der Stadt: die Privatbrauerei Moritz Fiege. Mitten im Zentrum, in der Scharnhorststraße, werden seit 1878 Hopfen und Malz zu neun verschiedenen Biersorten verarbeitet. Wir treffen die beiden Geschäftsführer Hugo und Jürgen Fiege, die das Unternehmen mit rund 15 Millionen Euro Umsatz in der vierten Generation führen – und aus Fiege „d a s  Ruhrgebietsbier“ machen wollen. Diesen Anspruch unterstreichen die Brüder mit ihrem Werbespruch „Der Ruhrpott hält zusammen.“

Doch vor der ehrgeizigen Zielsetzung stand eine Neupositionierung der Marke. Wie die meisten der insgesamt 1300 deutschen Brauereien litt und leidet Fiege unter dem schrumpfenden Bierkonsum hierzulande. Tranken die Deutschen Mitte der Neunziger Jahre noch 135 Liter Bier pro Jahr, sind es heute nur noch 112 Liter. „Wir hatten seit 1990 mit rückläufigen Hektoliter-Verkäufen zu kämpfen und mussten etwas tun“, sagt Hugo Fiege.

Das Duo verpasste Fiege 2003 eine neue Verpackung, ließ den Geschmack des Biers aber unangetastet: Es ersetzte den alten Markenclaim „Die herbe Lust“ durch die emotionale Botschaft „Fiege. Aus Bochum und aus Liebe“. Und es führte die klassische Bügelverschlussflasche ein. „Ein solche Flasche steht für Regionalität, Individualität und löst bei den Verbrauchern mehr aus“, sagt Jürgen Fiege. Die Umstellung der Produktion auf die neuen Flaschen kostete rund 2,5 Millionen Euro. Eine Investition, die sich für das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern gelohnt hat: Schon zwei Jahre nach dem neuen Auftritt war die Ausstoßmenge wieder auf dem Niveau von 1990.

Der Erfolg macht die Gebrüder Fiege mutig: Bislang war ihr Kernmarkt das mittlere Ruhrgebiet, in Bochum haben sie einen "deutlich zweistelligen Marktanteil". In ihrer Heimatstadt treten sie als Sponsoren des VfL Bochum, des Schauspielhauses und vieler kleiner lokaler Vereine auf. Doch jetzt drängen sie in das Gebiet der regionalen Konkurrenz vor: In Dortmund, wo Brinkhoff‘s der lokale Platzhirsch ist, haben sie Ende 2007 den ersten Gastronomie-Betrieb eröffnet. Brückenköpfe gibt es inzwischen auch in Recklinghausen und Gelsenkirchen. Jürgen Fiege nennt das ganz lapidar die „Zwiebelring-Taktik.“

Und erstmals in diesem Jahr sponsert Fiege die Veranstaltung „Extraschicht – Die Nacht der Industriekultur“ am 21. Juni 2008 und beliefert alle Stationen zwischen Duisburg und Dortmund mit Fiege-Bier.

Doch damit nicht genug: Von der Kulturhauptstadt 2010, wenn hoffentlich die Touristen in Scharen ins Ruhrgebiet kommen, erhofft sich Hugo Fiege zudem „positive Signale“: „Mehr Gäste bedeutet mehr Bierabsatz, und der eine oder andere wird auch regionales Bier genießen.“

Welche der regionalen Marken im Ruhrgebiet von dem Großevent in zwei Jahren besonders profitieren werden, dass wollten wir jetzt schon wissen - und haben einen Biertest gemacht: Der Amerikaner Jan probiert in unserer Blindverkostung Brinkhoff’s No. 1, Dortmunder Union Export und Fiege Pils. Wer wissen will, welches Bier ihm am besten geschmeckt hat, der klickt auf den roten Button – und los geht’s: 
 

Link: sevenload.com