Aquarius Wassermuseum - Reservoir des Wissens

Eintauchen in die Welt des Wassers: Ein ungewöhnliches Multimedia-Museum macht’s möglich.

Das Ruhrgebiet ist eine Wundertüte, die voller Überraschungen steckt. Immer wieder entdecken wir auf unseren Fahrten Menschen oder Orte, die wir so nicht erwartet hätten. So geht es uns auch heute. Wir sind in Mülheim an der Ruhr und stoppen an einem Ankerpunkt der Route Industriekultur.

Obwohl uns der Name zunächst nicht unbedingt verlockend erscheint, halten wir aus Neugierde am „Aquarius“. Das klingt nach einer Mineralwassermarke oder einem Erlebnisbad. Bei näherer Erkundung stellt sich raus: Das Aquarius ist ein alter Wasserturm aus dem Jahr 1890. Bis 1982 war er in Betrieb. Inzwischen ist das der RWE-Tochter RWW gehörende Bauwerk ein Museum. „Architektur, Kunst und Medien verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk“, heißt es in der Werbebroschüre. Und in der Tat versprechen die Macher nicht zu viel: Stahl, Glas, Backstein und Beton gehen eine interessante Ehe ein, und das Multimedia-Konzept ist schlichtweg begeisternd. Für Gestresste bietet der 50 Meter hohe Turm entspannende Aussichten und Ecken zum Verweilen. Untermalt von Sphärenklängen kann man die Gedanken schweifen lassen oder künstlichen Wasserfällen lauschen.

Wissenshungrige finden spannende Einblicke in die Welt des Wassers – und zwar auch abseits der üblichen „Frischwasser, Brauchwasser, Abwasser“-Thematik, die man von einer Ausstellungseinrichtung eines Wasserwerkes erwartet.

Am Eingang erhält jeder Besucher eine Chipkarte für die Bedienung der Multimedia-Terminals und den freundlichen Hinweis des Museumswärters, bei den angebotenen Medienstationen die Spiele mitzumachen. „Da kann man Punkte sammeln und bekommt am Ende eine Urkunde ausgedruckt“. Eine Idee, die besonders die kleinen Leute erfreut. Denn während der Woche kommen vor allem Schulklassen.

„Und am Wochenende“, sagt der Mann am Empfang, „müssen Sie früh da sein, am besten direkt um 10 Uhr, wir haben hier ruckzuck 280 Leute im Turm und dann machen die Exponate nur halb soviel Spaß, weil man überall anstehen muss.“

Direkt am Ruhrtalradweg gelegen, ist die Ausstellung auch bei Radlern ein beliebter Halt. Nebenan, im Schloss Styrum, gibt es in einem italienischen Restaurant leckeres Essen, im Sommer auch draußen im Park. Wer es einfacher mag, nimmt auf der Bierbank am Büdchenwagen neben dem Museum Platz.

Doch wir wandeln erstmal durch den Turm und bleiben bei einem Globus mit Leuchtpunkten hängen. Beim Druck auf die Knöpfe wird eine Animation mit Google-Earth-Landkarten an die Wand geworfen, und wir lernen Wissenswertes über die großen Ströme unserer Welt. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Amazonas früher anders herum geflossen ist?

Toll finden wir auch die Exponate, die sich mit der Bedeutung des kühlen Nass in der Kunst befassen: In einer Filmsequenz präsentierte Bilder wie Lucas von Cranachs „Jungbrunnen“ regen zum Nachdenken über die Bedeutung von Wasser in unserer Kultur an.

Hier eine kleine Impression - Bild- und Tonqualität sind nicht berauschend (das bitten wir zu entschuldigen), aber für einen audio-visuellen Eindruck reicht es:

Link: sevenload.com 

Beim Verlassen des Museums haben wir viel gelernt und eine Urkunde in der Hand, die uns der Wächter augenzwinkernd ausdruckt, obwohl wir die Quizfragen nicht beantwortet haben. „Null Punkte“, steht da. Trotzdem haben wir den Parcours erfolgreich absolviert. Was will man mehr?

Die einzige Enttäuschung des Tages erwartet uns draußen: Die entlang der Ruhr angelegte Themenroute wirkt verwahrlost. Die Hinweistafeln sind kaputt oder übermalt. Das macht keinen besonders anheimelnden Eindruck. Dann fängt es auch noch an zu regnen. Genug Wasser für heute!

Und ansonsten: Unbedingt hinfahren. Absolut empfehlenswert! (Alle Museumsstationen sind übrigens auch in englischer Sprache vertont).