In Hostel Veritas - Missionarinnen des Ruhrgebietes

Wie zwei Hostel-Betreiberinnen aus Oberhausen erfolgreich den Pott verkaufen.

Heute sind wir in Oberhausens „Neuer Mitte“ und besuchen eine echte Botschafterin des Ruhrgebietes. Das hört sich jetzt nach älterer Dame an, die sich bereits jahrzehntelang für die Region engagiert … So iss es aber nicht. Sondern wir treffen die dynamische End-Zwanzigerin Verena Breuckmann, die zusammen mit ihrer fast gleichaltrigen Geschäftspartnerin Christina Antwerpen im Sommer 2002 die Backpacker-Unterkunft „In Hostel Veritas“ gegründet hat. Dort rührt sie bei ihren Gästen kräftig die Werbetrommel für ihre Heimatstadt Oberhausen und den Pott: „Wir verkaufen hier nicht nur Betten, sondern das Ruhrgebiet“, sagt Verena, die - ganz in der Hostel-Tradition - jeden Gast duzt..

Für dieses Engagement erhielten die beiden Frauen am 28. April 2008 den Förderpreis des Vereins „pro Ruhrgebiet“. Seit 1981 vergibt die Initiative den Titel „Bürger des Ruhrgebietes“ an lokale Promis: Dieses Jahr ging die Auszeichnung an Christian Stratmann, den Macher des Mondpalastes in Wanne-Eickel, sowie den WDR-Moderator und Sportreporter Manfred Breuckmann – und eben eine spezielle Würdigung an die beiden „Herbergsmütter“ aus Oberhausen. „Wir sind vom Volk vorgeschlagen worden und waren total überrascht, als der Anruf kam“, freut sich Verena.

Inzwischen sitzen wir in dem gemütlichen Wintergarten des Hostels mit Blick auf Hof und Biergarten, und die gelernte Restaurantfachfrau erzählt uns, wie vor sechs Jahren alles begann. Partnerin Christina ist krank und kann bei unserem Treffen leider nicht dabei sein. Die Freundinnen, die gemeinsam das Abitur gemacht haben, brachten die Hostel-Idee von einer Hamburg-Reise mit zurück nach Oberhausen: So eine Unterkunft für Rucksacktouristen gab es im Ruhrgebiet damals noch nicht - und „selbständig machen wollten wir uns sowieso gerne“. Ihr Traumobjekt fanden sie in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Zeche Oberhausen, das ganz in der Nähe des Gasometers und des CentrO liegt.

Die beiden damals 23 und 24 Jahre alten Gründerinnen und ihre Familien packten bei den Bau-, Mal- und Putzarbeiten des ehemaligen Asylbewerberheims kräftig selbst mit an und schufen ein farbenfrohes und geschmackvolles Hostel für Low-Budget-Touristen. „Wir haben es so gemacht, wie wir es gerne hätten, wenn wir irgendwo hingehen.“

Das Backsteingebäude mit neun Zimmern bietet insgesamt 42 Gästen Unterkunft. Die Zimmer heißen Fernweh, Stille Nacht oder Bettgeflüster und sind alle individuell gestrichen - mal im Fußballdekor, mal mit Strichmännchen von Keith-Haring, mal im Ruhrpottstil mit Förderturm. Überhaupt: Die Hommage an das Ruhrgebiet findet sich überall. An eine Wand wurde ein Gedicht über Oberhausen („Die Wurst auffem Grill am Rhein-Herne-Kanal ...") gepinselt, an einer Tür klebt ein Poster der Siedlung Eisenheim und im Aufenthaltsraum prangt eine riesige Ruhrgebietslandkarte.

Denn das Duo Antwerpen-Breuckmann („Wir sind Kinder des Ruhrgebiets.“) verfolgt mit seinem Hostel noch einen weiteren Zweck: „Wir missionieren die Leute für die Region.“ Schon beim Frühstück erzählen die Beiden mit viel Witz und im Ruhrgebietsdialekt, was man hier alles unternehmen kann, geben Tipps und Infos - und fahren ihre Gäste auch schon mal persönlich zu einem Ziel. „Wir wollen, dass die Leute hier mit einem guten Gefühl weggehen“, sagt Verena – und sorgt damit im Kleinen, dass das Bild des Ruhrgebiets sich in den Köpfen der Besucher ändert.

Die Gäste schätzen den guten Service und die herzliche Art der Hostel-Betreiberin – und kommen gerne wieder. Die Auslastung des Hostels liegt, vor allem in den Sommermonaten, bei bis zu 70 Prozent. Zusätzliches Geschäft machen die Beiden mit den 100 bis 120 Veranstaltungen pro Jahr und dem Biergarten, der ab 1. Mai geöffnet und ein beliebter Treffpunkt der Oberhausener ist. Inzwischen hat der kleine Betrieb neun Teilzeit-Mitarbeiter und einen Auszubildenden, doch nach wie vor putzen die Beiden die Waschräume selber, bereiten das Frühstück zu und nehmen die Gäste in Empfang.

Große Hoffnungen setzen die jungen Unternehmerinnen in die Kulturhauptstadt 2010. „Das ist eine große Chance für das Ruhrgebiet“, gibt sich Pott-Patriotin Verena überzeugt. Doch ihre Erfahrung ist, dass beispielsweise die Oberhausener noch viel zu wenig über die Kulturhauptstadt wissen: „ Die Veranstalter vergessen, dass man auch um die Leute vor Ort werben muss.“ 

Da ist was dran. Deshalb sollte sich das Ruhr2010-Management nicht nur um prominente Botschafter wie Richard von Weizäcker und Rita Süssmuth, sondern auch um lokale Botschafter bemühen - solche etwa wie die beiden Macherinnen vom "In Hostel Veritas".