Best of - Wie es uns gefällt

Unsere persönliche Top Ten der bisherigen Pott2null-Reportagen.

Neulich, an einem Regentag, kurz nachdem wir Beitrag Nummer 55 online gestellt hatten, saßen wir in der Düsseldorfer Potteusen-Zentrale und haben darüber nachgedacht, was uns bisher gut und was uns weniger gut gelungen ist. Und vor allem, welche Persönlichkeiten uns bei unserer Reise durch das Ruhrgebiet besonders imponiert haben.

Hier unsere völlig subjektive Hitliste:

Da muss zuallererst (Damen haben den Vortritt) Elli Altegoer erwähnt werden. Die agile Unternehmerin betreibt in Bochum einen Tante-Emma-Laden. Dabei handelt es sich nicht um ein Null-8-fuffzehn Lebensmittelgeschäft, sondern um eine Art klatsch- und kulturgetriebenen Nachbarschaftstreff.

Elli ist die gute Seele des Ganzen und ein echtes Original – wie sie leider immer seltener anzutreffen sind. Eigentlich müsste man Sie und ihr Lädchen unter Denkmalschutz stellen. Hier der Link zum Beitrag. Für die schlechte Übertragungsqualität des Videos müssen wir uns entschuldigen, die haben wir in dem Fall Youtube zu verdanken. Das Filmchen ist aber trotzdem sehenswert! Also schaut mal rein, falls Ihr es nicht schon getan habt.

Und dann noch ein interessanter Link zur FAZ Sonntagszeitung. Aus der Rubrik „Erklär mir die Welt“ eine Geschichte darüber, warum Tante Emma nicht totzukriegen ist. Elli liegt also voll im Trend!

Als nächstes zu einem Herrn, der uns auf seine Weise schwer beeindruckt hat: Thomas Wiese von Alu Unna. Als alle Manager in seinem Umfeld kein Konzept mehr hatten, kalte Füße bekamen und die Banken die Kreditlinien kürzten, nahm der Betriebsratsvorsitzende des Aluminiumwerks in Unna in der schweren Krise selbst das Steuer in die Hand. Ein wohl ziemlich einmaliger Positionswechsel in der Geschichte des Ruhr-Kapitalismus. Der Beitrag und das Video zeigen, dass er sich durch die hinzugewonnene Macht nicht hat verbiegen lassen. Ein Mensch, der seine Stärken nutzt und seine Grenzen kennt. Wir finden das absolut vorbildlich!

Wie tatkräftig Wiese ist, hat er Anfang des Jahres erneut bewiesen: Alu Unna übernahm zum 1. Januar die englische Firma BA Tubes Limited mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro - und hat nun ein Standbein in England.

Auf den vorderen Plätzen unseres persönlichen Pott2null-Rankings findet sich auch Frank Goosen. Der Nachmittag mit dem Kabarettisten und Autoren war vergnüglich. Auch wenn wir ehrlich gesagt finden, dass seine Bücher schon mal besser und seine Witze frischer waren. Aber der Treffpunkt, ein Fußball-Fan-Geschäft namens „Geist von Malente“, war ein Volltreffer. Das Video ist auch dank dieser Location eines unserer nettesten. Also einfach mal reinschauen!

Goosen will übrigens noch in diesem Jahr im Bochumer Bermuda-Dreieck eine Kleinkunstbühne eröffnen. Interessant wird dabei zu beobachten sein, inwiefern er selbst ins unternehmerische Risiko geht und/oder wie stark er von den Fördermitteln der Kulturhauptstadt 2010 profitiert. Und aufs Programm sind wir natürlich auch schon sehr gespannt!

Apropos Unterhaltung: Eine amüsante Show liefert auch ein Mann, der eigentlich Chinesisch unterrichtet. Eigentlich wenig überraschend, denn die besten Lehrer sind immer auch gute Entertainer. Manfred Frühauf vom Bochumer Sinicum ist so einer. Die Zeit mit dem promovierten Sinologen ist wie im Flug vergangen, so sehr hat er uns mit seinen Erlebnissen und Geschichten aus China in seinen Bann geschlagen. Sein Spracheninstitut liefert einen nützlichen Beitrag zur Globalisierung und unser kleiner Video-Chinesisch-Kurs motiviert, sich endlich aufzuraffen und den Plan in die Tat umzusetzen, eine neue Sprache zu lernen.

Besonders hoch her ging die Debatte zu unseren Beiträge über Essen-Katernberg. Auf Anregung einer Leserin haben wir den sozialen Brennpunkt in der Nähe der Zeche Zollverein besucht - und fanden die Situation nicht so dramatisch wie häufig beschrieben. Daraufhin wurden unsere Impressionen engagiert, ja auch hitzig diskutiert. Wir machten uns erneut auf und liessen mit Rainer Gertzen, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Katernberg, einen Kenner vor Ort zu Wort kommen - was die Diskussion zusätzlich befeuerte. An dem Beispiel zeigt sich, was wir am Medium Internet so sehr schätzen: dass man direkt widersprechen, diskutieren, sich ärgern - und natürlich auch freuen kann.  

Weil Kohle untrennbar mit dem Auf- und Abstieg des Ruhrgebiets verbunden ist, wollten wir auf unserer Tour mal erkunden, was aus ihr geworden ist. Wo kann man das besser als bei einem Kohlenhändler - und so trafen wir Hugo Wietfeld vom Kohlen- und Frachtenkontor KFK in Duisburg. Der Unternehmer überlebt mit immer neuen Ideen - wie etwa dem Verkauf von Holzpellets - in einem schrumpfenden Markt. Derzeit ist er mit den Geschäften zufrieden: Die Wintersaison lief ganz ordentlich, so Wietfeld, denn "die Leute suchen nach Alternativen zu den immer teurer werdenen Brennstoffen Öl und Gas."  Inzwischen kommen sogar Kunden aus Holland zu ihm. Wietfeld ist für uns ein gutes Beispiel für einen Unternehmer, der sich nicht unterkriegen lässt. 

Das Ruhrgebiet als Kunst- und Museumsstandort? Für manche Leute aus anderen Teilen Deutschlands ist es immer noch eine Überraschung, wenn man von der Küppersmühle, dem Lembruck- oder dem Folkwang Museum erzählt. Oder vom Quadrat. Einer versteckten Perle der modernen Kunst, gelegen in einem idyllischen Park in Bottrop. Zu verdanken hat die Stadt das Gebäude in Bauhaus-Architektur der Tatsache, dass der Künstler Josef Albers ein berühmter Sohn der Stadt ist. Und wie viele spannende Geschichten in Quadraten stecken können, das haben wir erst entdeckt, als wir da waren – inklusive einer virtuellen Kunstführung durch das ungewöhnliche Museum.

Wir sind uns ja nicht immer einig mit unseren Lesern, was die Popularität unserer Beiträge betrifft. Die Nutzer lieben in unserem Angebot vor allem Texte und Videos über Freizeit, Fußball, Stadtviertel (wie eben Katernberg). Reportagen über Menschen aus der Wirtschaft werden weniger oft angeklickt. Was wir sehr schade finden. Eine Geschichte macht die Ausnahme. Es ist unser Ausflug auf den „Ruhr 2030“-Kongress. Vor allem das Video war ein Publikumsrenner. Dass vorwiegend grauhaarige Männer wie Evonik-Chef Werner Müller über die Zukunft des Ruhrgebietes bestimmen wollen – und die Art, wie sie es tun, bringt eine Menge Leute auf die Palme. Wer sich nochmal aufregen will – oder kaputtlachen (ganz nach Temperament), guckt hier.

Ein weiterer Beitrag, der uns besonders am Herzen liegt, ist der über die Zeche Nachtigall in Witten. Erstens wollten wir schon immer mal in ein altes Bergwerk einfahren und zweitens wollten wir schon immer mal eine Art Mini-Hörspiel machen. Drittens war der Ausflug die Idee eines Lesers: Börje Nolte, der Führungen auch für kleine Leute leitet, lud uns ein, eine Fuhre Kinder und Kohle unter Tage zu begleiten. Was dabei herausgekommen ist, findet Ihr hier.

Last but not least muss ein Ruhrgebiets-Urgestein unbedingt mit auf die Liste: der Filmemacher und Medienprofessor Adolf Winkelmann (Copyright Foto: WDR). Als wir ihn Ende September zu Hause in Dortmund besucht haben, fanden wir – man kann es nicht anders sagen – einen Frustrierten vor. Im Ruhrgebiet, so Winkelmann sinngemäß, brennt nix mehr. Die Feuer erloschen. Im Sessel sitzend erklärte er uns, die Aktivitäten rund um die „Kulturhauptstadt 2010“ seien eine Beerdigungsveranstaltung.

Ein halbes Jahr später: kompletter Sinneswandel. Winkelmann, Ärmel aufkrempelnd, packt es nochmal an. Er ist ein schönes Beispiel dafür, wie Erfolg die Menschen verändert: Kurz nach unserer Visite wurde die bis dahin vom Pharmakonzern Grünenthal erwirkte Sendesperre seines Films über das Medikament Contergan gerichtlich aufgehoben. Der Fernseh-Zweiteiler gewann Preise und hatte enorme Presse. Und die Kulturhauptstadt-Clique berief Winkelmann zum Chef des – erstmal – mit fünf Millionen Euro ausgestatteten Institutes für Bewegtbild-Medien, das ins Medienzentrum „Dortmunder U“ einziehen soll. Winkelmann wird das Totenglöckchen für das Ruhrgebiet so schnell wohl nicht mehr läuten. Im Gegenteil: Er produziert  mit seinen Studenten im Zweifelsfall wohl eher Imagefilme für die Region. Lassen wir uns überraschen! 

Und was gefällt Euch am besten? Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns Eure persönlichen pott2null-Favoriten mitteilen würdet.