Fremdsprachen - Chinesisch lernen in drei Wochen

Wie das Landesspracheninstitut in Bochum von der Globalisierung profitiert.

"Was bleibt, wenn Nokia weg ist und Opel irgendwann die Werkstore zumacht?“, sinniert Manfred Frühauf vom Bochumer Spracheninstitut LSI. „Was dann noch bleibt“, meint der promovierte Sinologe „ist die Bildung als Perspektive“.

Das Landesspracheninstitut in der Ruhr-Universität Bochum – kurz: LSI – ist ein echter Trendsetter in Sachen Wissensvermittlung.
Die Idee für eine Sprachschule unter Landesträgerschaft – also sozusagen staatlich begünstigte Weiterbildung zum Wohle der Wirtschaftsförderung – stammt noch aus der Zeit des NRW-Wirtschaftsministers Reimut Jochimsen Anfang der 80er Jahre.
Seine Haltung war zukunftsweisend, wie sich 20 Jahre später zeigt. Denn wie heißt es doch so schön: „Sprachen sind das Tor zur Welt“ - und dank der fortschreitenden Globalisierung wichtiger denn je.

In den Sprachen Arabisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch und Chinesisch trägt das LSI zur Völkerverständigung bei. Die Kurse sind allesamt subventioniert und kosten zwischen 200 und 1600 Euro je nach Länge und Förderstufe. Studenten und Arbeitslose zahlen stark reduzierte Preise.

Vermittelt wird nicht nur die Sprache; die Kurse geben interessante Einblicke in Kultur, Historie und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes und sind deshalb auch bei Managern sehr beliebt.

„Der Chef von Siemens China hat hier genauso Vokabeln gepaukt wie der Student vor dem Auslandspraktikum“, erklärt Frühauf, der das Sinicum leitet – das ist der chinesische Zweig des LSI. Die Sprache aus dem Reich der Mitte ist seit einigen Jahren auf der Hitliste der Schüler ganz oben und gilt als schwierig zu lernen.

Doch Frühauf arbeitet mit Witz und Schwung daran, den Kursteilnehmern die Hemmschwelle zu nehmen – „die Chinesen sind im Durchschnitt auch nicht schlauer als wir und sprechen die Sprache ja auch“, sagt er augenzwinkernd und macht mit Pott2null-Redakteurin Annette Rueß einen Sprachlerntest in vier Lektionen.

Und der macht Lust auf mehr – wer das Ergebnis sehen möchte, klickt einfach auf den roten Button und los geht’s: 


Link: sevenload.com

„Zu euphorisch sollte man allerdings nicht sein“, sagt Karin Mlaker, die im Sinicum einen dreiwöchigen Intensivkurs absolviert hat, bevor sie nach China ging (hier übrigens ihr sehr unterhaltsamer und lesenswerter Bericht).

Um Leute innerhalb so kurzer Zeit sprachlich fit zu machen, lässt der Kurs die Schriftzeichen weg – der Unterricht basiert auf der 1956 vom chinesischen Staat freundlicherweise eingeführten lateinischen Amtssprache „Pinyin“ – was die Sache extrem vereinfacht. „Doch wer nicht dranbleibt und weiterlernt, der packt es nicht“ sagt Mlaker. Für Menschen ohne musikalisches Gehör dauert es lange, sich auf die tonale Sprache einzustellen. Aber die Kurse sind, sagt Mlaker „ein toller Einstieg in die chinesische Welt und Denkweise“.

Zum Schluss noch ein Tipp:

Sinicum-Chef Frühauf, der sich manchmal darüber wundert, wie naiv sich Manager und Unternehmen in das Abenteuer China stürzen, war 1976 das erste Mal in China und ist ein Kenner und kritischer Liebhaber des Landes - und ein hochinteressanter Gesprächspartner auch zum Thema Politik und Geschichte.

Wer keine Gelegenheit hat, sich mit ihm zu unterhalten, der befolgt seine interessanten Buchtipps. Ein eigenes Werk gibt es von ihm – leider – noch nicht.

- "China - Die 101 wichtigsten Fragen", Autor: Hans van Ess, Becksche Reihe, 9,95 Euro. Van Ess ist Sinologieprofessor an der Ludwig-Maximilans-Universität in München. Sein „kleines“ Buch liefert spannende Einsichten bei limitierter Lesezeit.

- "Die chinesische Welt. Von den Anfängen bis zur Jetztzeit", Autor: Jacques Gernet, 20 Euro. Eine wissenschaftliche Universalgeschichte. Ziemlich dicker Wälzer für Leute mit viel Zeit und/oder großem China-Interesse.