Kunstszene - Raum zum Experimentieren

Die temporäre Galerie „Baustelle Schaustelle“ in Essen bietet kostenlose Starthilfe für junge Künstler.

Heute sind wir in Essen-Rüttenscheid und besuchen die „Baustelle Schaustelle“, einen temporären Raum für junge Kunst. Bis vor rund einem Jahr wurden in dem viergeschossigen Nachkriegsbau in der Brigittastraße noch Möbel verkauft, derzeit wird das Gebäude von Grund auf saniert - und mittendrin wird zeitgenössische Kunst ausgestellt. Als wir die Macherin Brigitte Krieger, deren Vater zusammen mit einem Partner das Möbelhaus in den 50er Jahren gegründet hat, in ihrem kleinen Büro treffen, sind gerade die Maler da und pinseln eine Wand weiß. „Hier wird eben ständig gearbeitet“, sagt Krieger. Ein Grund, weshalb die Düsseldorferin ihre Ausstellungsräume auch „Baustelle Schaustelle“ nannte. Das Ambiente ist kühl: weiße Wände, grauer Fußboden, helle Beleuchtung - genau richtig für Kunst.

Und so präsentiert Krieger seit November 2007 junge Kunst aus Essen und Düsseldorf auf bis zu 2000 Quadratmetern. „Für hiesige Verhältnisse ist das schon ein überraschendes Konzept“, sagt die gebürtige Essenerin. Die 58-Jährige, die selbst Kunst sammelt und Ausstellungen organisiert, unterstützt die Künstler, meist noch Studenten, bei ihren ersten Schritten in die Öffentlichkeit: Sie stellt die Räume zur Verfügung, lässt Einladungskarten drucken, organisiert die Vernissage – alles für lau. „Ich will kein Geld dafür nehmen, die jungen Künstler haben doch nichts“, meint Krieger. Sie betrachtet ihr Engagement aber auch als eine Art Marketinginstrument, um mittelfristig das renovierte Haus besser vermieten zu können.

Wie lange sie ihre Galerie noch betreibt, kann Krieger - „Ja, wie lange ist temporär?“ - im Moment nicht sagen. Die Liste der Künstler, die bei ihr ihre Werke präsentieren wollen, ist lang. Und so plant sie schon die nächsten Events und Ausstellungen. Am 18. April wird das Werdener Quartett, vier Musiker der Folkwang Hochschule, ein Beethoven-Konzert geben. Danach wird die Studentin Erika Hock von der Kunstakademie Düsseldorf ihre Installationen zeigen.

Bis Freitag, 21. März, präsentieren die beiden Studenten Colin Penno und Philip Ullrich, die an der Folkwang Hochschule künstlerische Fotografie studieren, ihre Arbeiten. Diese Ausstellung ist die achte im Rahmen des Ruhrgebietsprojektes Hartmut. Im Februar stellten sieben Künstler von der Universtät Essen aus, die sich zur Initiative „Kollegium kunst(off)raum essen“ zusammengeschlossen haben und Sponsoren suchen, die ihnen leerstehende Ladenlokale zur Verfügung stellen. Krieger war ihre erste Förderin.

Mit der Resonanz auf die Ausstellungen ist die Kunstliebhaberin sehr zufrieden. Von Kulturverantwortlichen der Stadt Essen oder den Machern der Kulturhauptstadt 2010 hat sie bislang allerdings nichts gehört – was doch etwas verwundert. An solchen Experimentierräumen wie diesen müsste doch eigentlich Interesse bestehen?