Bude 3 - Bunker und Budenromantik

Teil 3 unserer Serie führt uns zu einer der schönsten Buden im Revier und zur neuen Sachlichkeit im Trinkhallen-Geschäft.

Heute sind wir in Wanne-Eickel – und machen auf unserer Route der Budenkultur eine Reise in die Vergangenheit. Auf dem Hof des Heimat- und Naturkundemuseums steht eine der schönsten Buden des Reviers. Das Prachtstück aus Holz und mit der Glücksgöttin Fortuna auf dem Satteldach wurde um 1880 von einem Mineralwasser-Fabrikanten an der Gelsenkirchener Str. in der Höhe der Straße Am Mühlenbach aufgestellt und versorgte die Arbeiter der  Zeche Pluto-Wilhelm mit Selters.

Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Trinkhalle mit einem Kieslader ins örtliche Museum gebracht. „Leider fehlte die Inneneinrichtung, so wurde die Bude mit Flaschen und Utensilien der ortsansässigen Hülsmann-Brauerei bestückt“, erzählt Alexander von Knorre, Direktor des Emschertal-Museums in Herne, zu dem auch das Heimatmuseum gehört. 

Von Knorre sieht neben dem nostalgischen Wert der Trinkhalle vor allem ihren Wert „als kulturhistorisches Zeugnis“: „Buden sind ein typisches Merkmal des Ruhrgebietes.“ Und waren früher durchaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Revier. Sie machten, so von Knorre, in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Umsatz von rund sieben Milliarden Mark. Allerdings war die Verdienstspanne der meist von Familien betriebenen Trinkhallen damals ziemlich gering: Sie lag zwischen drei und sieben Mark pro Stunde.

Heute machen gut laufende Buden zwischen 500 000 und 1 Million Euro Jahresumsatz - das aber ist die absolute Ausnahme.

Die Mehrheit begnügt sich mit Mittelmaß -viele sind schlicht ungepflegt, wie zum Beispiel diese Verkaufsstelle in Herne, Auguststraße/Ecke Bahnhofstraße. 

Manche versuchen es mit Fokussierung auf ein ausgewählt kleines Sortiment. Die Spezialisierung scheint zu  helfen, wie die Bude am Dortmunder Nordmarkt zeigt. Dort war bereits in der Mittagszeit die Hölle los.  

Wir sagen: Prost!

 

Zwei schöne Exemplare hat das Reviersternchen entdeckt und im Bild festgehalten. Die erste befindet sich in einem Haus in der Nähe des Bochumer Tierparks/Planetariums. Die zweite hat ein niedliches grün-lackiertes typisch deutsches Zäunchen. Sie steht in Witten-Annen, Ecke Erzbergstraße, und wird von einer türkischen Familie geführt. "Anders als die meisten übrig gebliebenen Buden ist diese sehr gepflegt und fällt schon daher angenehm auf", schreibt sie in ihrem Kommentar zum Bild. 

Britta schickte uns zwei Fotos von ihrer Lieblingsbude - der Bunkerbude in Duisburg. Ein schönes Gegenstück zur Fortuna-verzierten Museumsromantik. Danke für die gelieferten Beiträge! Wir haben uns sehr gefreut! Denn gemeinsam sieht man mehr!