Elli Altegoer - Ne Waaaaahnsinnszeit!

Die wichtigsten Kritiker des Bochumer Schauspielhauses sitzen nicht bei der FAZ oder der Zeit – sie treffen sich in einem Tante-Emma-Laden.

Heute sind wir in Bochum. Im Feinkostgeschäft von Elli Altegoer auf der Königsallee 72. In einem idyllischen Winkel, abseits des Zentrums existiert dieser von der Nachbarschaft viel frequentierte Laden schon seit 40 Jahren. Und er läuft und läuft und läuft…
Zu verdanken ist das alles Elli Altegoer, die mit unermüdlichem Einsatz nicht nur die Umgebung mit Lebensmitteln versorgt, sondern zugleich auch Kummerkasten und Klatschzentrale ihres näheren Einzugsgebietes ist.

Und dazu gehört eben auch das Bochumer Schauspielhaus. Gästewohnungen des Theaters für neue Ensemble-Mitglieder und Gast-Stars liegen direkt über Ellis Laden. Und so kommt keiner – auch nicht der berühmteste Bühnenschauspieler - an ihr vorbei. „Früher oder später landen sie alle bei mir“, lacht Elli, die mit dem ehemaligen Bochumer Intendanten Matthias Hartmann per Du war, noch bevor er seinen Dienst antrat.

Natürlich hat sie ihn gegen den aktuellen Theaterleiter Elmar Goerden ausgetauscht (nur das Foto an der Wand natürlich), aber bei Kaffee und Keksen in dem zum Geschäft gehörenden Zeitungseckchen sind sich alle einig: Unter Hartmann war das Theater besser. „Das war ne Waaaaaaahnsinnszeit“.

Die insgesamt wohlwollend besprochene Premiere von „Wie es Euch gefällt“, gefiel den Damen vom Elli-Treff nicht: „Zuviel Hang zum Klamauk“ - aber auch wenn Stücke mal richtig floppen – „einmal Fan, immer Fan“. Dem Bochumer Schauspielhaus, einer der legendären Bühnen Deutschlands, „wird die Treue gehalten“, sagt Elli.

Einzig, wenn Freitags Premieren sind, schwänzt sie inzwischen „ich muss ja schon morgens um 4 Uhr aufstehen, da habe ich Angst, ich nicke ein und schnarche dann“, sagt Altegoer.

Wenn sie in den eigenen vier Kaufladen-Wänden mal schwächelt oder ein Kamerateam zu Gast hat, dann helfen die Kunden aus – „Einfach übern Daumen peilen“, ruft sie rüber zur Kasse, als die Nachbarin nach den Preisen fragt.

Man muss Elli einfach lieb haben – eine Frau mit Herz und Schnauze und gesundem Menschenverstand – nur Diskretion ist ihre Sache eher nicht – „aber“, sagt sie, „meine Kunden wissen ja auch fast alles von mir!“

Danke, Elli, dass wir kommen durften! Wir hatten auch ne Wahnsinnszeit!

Und wer sich selbst ein Bild von dieser ungewöhnlichen Frau verschaffen möchte, klickt auf das Dreieck und los geht’s:

 

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