Halde Haniel - Wie auf dem Mond

Ein (besinnlicher) Herbstspaziergang auf die höchste Halde im Ruhrgebiet.

„Die Lebenskraft des Ruhrgebietes ist die Solidarität. Bei aller geforderten Sachgerechtigkeit muss stets die Achtung vor der unantastbaren Würde des Menschen bestimmend sein, nicht nur die einzelnen Arbeiter, sondern auch ihre Familien, nicht nur der Mensch von heute, sondern der kommenden Generationen.“ (Papst Johannes Paul II am 2. Mai 1987 bei seinem Besuch auf dem Bergwerk Prosper-Haniel)

Dieser Spruch auf der Tafel an der Station 4 des Kreuzweges hat uns berührt - und zum Nachdenken angeregt. 20 Jahre nach dem Papstbesuch hat er nichts an Aktualität eingebüßt. Wir sind mitten auf dem Weg auf die Halde Haniel, die an der Stadtgrenze zwischen Bottrop und Oberhausen liegt. Von den anderen Halden im Revier unterscheidet sie sich nicht nur dadurch, dass sie mit 126 Metern die höchste ist, sondern dass auf ihren Gipfel ein Kreuzweg mit 15 Stationen führt. Traditionell begehen hier Tausende von Gläubigen am Karfreitag den Kreuzweg und feiern unter einem von Bergleuten gezimmerten Holzkreuz einen Gottesdienst. 

Der 1200 Meter lange Weg bietet auch für nicht-religiöse Menschen genügend Interessantes: Denn an allen Stationen gibt es neben den Kupferplatten mit Motiven aus der Leidensgeschichte Jesus Christus auch ein Gegenstand aus der Arbeitswelt des Bergbaus - vom Teufkübel über den Kohlenwagen bis hin zum Förderkorb. Die einzelnen Gerätschaften werden gut erklärt, und man bekommt einen Einblick in die Welt unter Tage. 

Auf dem Gipfel hat man einen wunderbaren Blick auf Oberhausen, Bottrop und auf eines der letzten noch fördernden Bergwerke im Ruhrgebiet, die Zeche Prosper-Haniel. Der anschließende Rundweg führt zu einem 800 Plätze umfassenden Amphitheater und zu der Installation „Totem“. Der baskische Bildhauer Augustín Ibarrola hat dafür 100 alte Eisenbahnschwellen bearbeitet und bemalt – und sie stehen wie Totenpfähle auf der Haldenkuppe. Dadurch dass die Halde auf der einen Seite noch weiter aufgeschüttet wird, läuft man stellenweise durch eine bizarre Landschaft aus Geröll und Schlamm – und fühlt sich wie auf dem Mond.