J.D. Neuhaus - Zwischen Tradition und Moderne

Wie sich das Wittener Unternehmen J.D. Neuhaus rund 250 Jahre nach seiner Gründung komplett neu erfinden musste.

Ab geht es von der A43 - und schon ist man mitten drin in der Fachwerkidylle von Witten-Heven. Dort besuchen wir eines der ältesten Unternehmen des Ruhrgebiets, die 1745 gegründete Firma J.D. Neuhaus, die auch ein eigenes Museum betreibt. Ein Familienbetrieb mit rund 150 Mitarbeitern, der von Wilfried Neuhaus-Galladé in der siebten Generation geführt wird und Weltmarktführer für druckluftbetriebene Hebezeuge ist.

Was Wandel bedeutet, das hat der Mittelständler hautnah miterlebt. J.D. Neuhaus ist nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Bergbau groß und erfolgreich geworden. Doch mit dem Niedergang der Kohleförderung im Revier musste sich das Unternehmen komplett neu erfinden.

Als Neuhaus-Galladé 1987 in die Firma eintrat, war J.D. Neuhaus ein reiner Bergbauzulieferer – und die Alarmglocken schrillten: „Wir verloren jährlich zwischen 15 und 20 Prozent unseres Umsatzes. Wir mussten dringend etwas tun.“ Und der damals 30-jährige Firmenchef, der das Unternehmen von seinem Onkel J. Diedrich Neuhaus übernommen hatte, läutet eine neue Ära ein: Er verabschiedete sich vom Bergbau, suchte neue Kunden in der Industrie und fand sie beispielsweise im Schiffbau, in der Öl- und der Chemieindustrie. Heute macht das Unternehmen nur noch bis zu neun Prozent seines Umsatzes mit dem Bergbau, den Rest mit Industriekunden.

Und der ehemalige Unternehmensberater internationalisierte den Betrieb: „Früher hatten wir unsere Kunden rund um den Kirchturm, heute auf der ganzen Welt.“ Er baute Vertriebsorganisationen in den USA und Westeuropa auf, derzeit sondiert er den Markt in China und Indien. Heute gehen 80 Prozent der pneumatischen und hydraulischen Hebezeuge aus Witten in den Export.

Neuhaus-Galladé hat es geschafft: Er hat das Unternehmen vollständig umgekrempelt und auf eine neue Basis gestellt. Doch der Veränderungsprozess war sehr schmerzlich: „Wir sind durch ein tiefes Tal gegangen, wir mussten über die Hälfte unseres Personals abbauen“, sagt der 50-Jährige, doch „es war der einzig richtige Weg.“

Wer erfahren will, warum J.D. Neuhaus seine Bergbausparte jetzt wiederbelebt (auch das ist Wandel!), liest unten weiter. Wer den agilen Firmenchef zwischen Kaffee im Konferenzraum und Fiege-Pils in der firmeneigenen Kneipe erleben möchte, klickt auf das Dreieck und los geht's: 

 

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Ironie der Geschichte: Mit der zunehmenden Globalisierung wird auch für J.D. Neuhaus das Geschäft mit dem Bergbau wieder interessant. In China, Indien oder Australien wird reichlich Kohle gefördert - diesen Markt will Neuhaus-Galladé für seine Hebezeuge erschließen: „Wir haben ja die Produkte im Sortiment und sie sind immer noch auf dem neusten technischen Stand.“ Na dann: Glück auf!