Landschaftspark 1 - Das Geheimnis der fünf Steine

Auf dem Gelände des Landschaftsparks Nord gibt es Industriegeschichte zum Anfassen - ein Familienausflug in die Vergangenheit des Reviers.

Heute sind wir in Duisburg-Meiderich. Im Landschaftspark Nord, einer 200 Hektar großen Industriebrache, in deren Zentrum ein stillgelegtes Hüttenwerk liegt. Wir machen dort bei einer Familienführung mit – und stehen im engen Treppenhaus der Hauptschaltzentrale. Führer Andreas Pagé packt aus seiner schwarzen Kiste fünf Steine aus. Die Kinder befühlen die Steine und dann geht das Ratespiel „Was ist was?“ los. Der schwerste Brocken ist das Eisen, auch am silbernen Glanz zu erkennen, leicht ist auch der schwarze Koks und das Erz zu erraten, aber bei der porösen Schlacke und dem dunklen Kalkstein müssen Kleine und Große passen. Pagé erklärt vor einem Schaubild, wie in einem auf 2000 Grad erhitzten Hochofen aus den Materialien Koks, Erz und Kalkstein Eisen gewonnen wird.

 

Dann darf das größte Mädchen die Arbeitskleidung eines Hochofen-Arbeiters anziehen: einen aluminiumbehafteten Brandschutzmantel und einen Helm – und erfährt dabei, dass die Arbeiter bis Mitte der Sechziger Jahre die gefährliche Eisengewinnung mit einem normalen Arbeitsanzug und Mütze verrichten mussten.

Die Geschichte des Hüttenwerkes erlebbar gemacht, das kommt bei den Kindern und Eltern an. Auf dem ehemaligen Industriegelände wird den Besuchern schnell klar, wie tiefgreifend sich das Ruhrgebiet in den vergangenen 30 Jahren verändert hat.

Im Hochofen 5, auf den die Kinder jetzt zulaufen, wurde bis zum 4. April 1985 Millionen Tonnen von Eisen gewonnen. Dann schloss der damalige Betreiber, das Stahlunternehmen Thyssen, aufgrund von Überkapazitäten auf dem Weltmarkt die Anlage im Duisburger Norden. Dort, wo seit  1901 Roheisen produziert wurde, erlosch die Glut in den Hochöfen für immer. Von den 385 Hüttenwerken, die es im Ruhrgebiet früher einmal gab, ist heute nur noch eine Handvoll in Betrieb.

Wir erklimmen die zahlreichen Stufen des Hochofens 5. Immer wieder bleibt Pagé stehen und erklärt etwa, wie ein Abstich funktioniert. Das ist der Moment, wenn in den Hochofen eine Öffnung gebohrt wird, damit das flüssige Roheisen und die Schlacke ablaufen können. Plötzlich erschreckt uns ohrenbetäubendes Rattern, unser Führer hat den alten Bohrer angeschmissen und demonstriert uns die enorme Lärmbelastung der Arbeiter.

Oben auf der Plattform des Hochofens, 70 Meter über dem Meeresspiegel, ist die Aussicht über Duisburg und die Nachbarstädte fantastisch. Im Norden, im Stadtteil Hamborn, sehen wir die restlichen noch funktionierenden Hochöfen und ein Stahlwerk von ThyssenKrupp. Der Konzern investiert 340 Millionen Euro bis 2008 in die Modernisierung der Hochöfen. Der weltweite Stahlboom macht es möglich, dass sich Eisengewinnung im Revier wieder lohnt.

Für das Hüttenwerk in Meiderich kommt der Boom um Jahrzehnte zu spät. Es ist heute ein Industriedenkmal. Der Landschaftspark Nord wurde 1989 im Rahmen der IBA Emscher Park umgebaut und im Sommer 1994 eröffnet: Das ehemalige Gasometer ist heute ein Tauchsportzentrum, in der Gießhalle ist ein Hochseilparcours gespannt, die Kraftzentrale und die Gebläsehalle sind Kulissen für Theater und Konzerte und der Erzlagerbunker ist ein Klettergarten.

Im Erzlagerbunker ist auch ein wunderschöner Spielplatz mit einer Riesenrutsche und Kletterseilen. Und hier endet auch nach anderthalb Stunden unsere Familienführung.