Zeche Nachtigall - Bergmann für zweieinhalb Stunden

Wo Kinder echte Steinkohle abbauen können – ein Besuch auf Zeche Nachtigall.

„Wisst Ihr denn, was wir gleich machen werden?“, fragt Börje Nolte in die Runde der aufgeregten Kinder, die den Eingangsbereich des Museums belagern. „Wir suchen Gold“, ruft ein Junge, und die anderen verstummen vor Vorfreude. „Nein“, sagt Museumsführer Nolte – und ein missmutiges Oh raunt durch die Gruppe. Doch die Enttäuschung währt nur kurz, denn Nolte klärt die Rasselbande auf, dass sie gleich unter Tage fahren und Steinkohle abbauen wird.

Wir sind heute in Witten, im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall – und begleiten die Geburtstagsrunde des achtjährigen Vincent bei dem zweieinhalbstündigen Programm „Kinder heizen ein“. Doch bevor es in den Stollen reingeht, müssen die neun Jungen und ein Mädchen sich erst noch die Bergmannskluft anziehen. Vor dem Schuppen mit der Ausstattung herrscht jetzt dichtes Gedränge, jeder will der erste sein. Pädagoge Nolte lässt die Zehn in Reih und Glied aufstellen und händigt jedem ein großes blau-weißgestreiftes Arbeiterhemd, einen Helm sowie das Gezähe, das Werkzeug des Bergmanns, aus. Zwischendurch erzählt er anschaulich Geschichten über die Entstehung und Entdeckung der Kohle.

 

Übermütig laufen die Kinder über die Wiese zu der Lore. Hier legen sie Eimer und Schippe rein und ziehen den Transportwagen zum Eingang des Stollens Nachtigall. Jetzt geht es unter Tage - und die zehnköpfige Mannschaft fährt erwartungsvoll ein. Rund 40 Meter nach dem Eingang biegt Nolte rechts in einen engen Gang ein und lässt die Kinder nach der Steinkohle suchen. Ein munteres Gerate setzt ein, und Nolte leuchtet mit der Grubenlampe auf das schwarze Flöz. Der Museumsführer erklärt, wie die Bergarbeiter die Kohle früher abbauten, wie ihre Arbeitsbedingungen waren – und dann geht es endlich los: Die Kinder dürfen selber Kohle fördern. Mit ihrer Schippe hauen sie in das Flöz und holen Stück für Stück kleine Brocken Kohle hervor – solange bis die Eimer voll sind. Mit wie viel Eifer die Zehn bei der Sache sind, das dokumentiert der pott2null-Podcast:

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Mit rußgeschwärzten Händen und Gesichtern fährt die Gruppe wieder aus dem Stollen aus und bringt die Kohlestücke zur alten Ziegelei. Dort entzünden Nolte und die Kids mit Papier und ihrer Steinkohle ein wärmendes Feuer. Auf der Feuerstelle werden zum Abschluss der Tour Würstchen und heißer Kakao erhitzt – zur Stärkung der kleinen Bergarbeiter.

Und wie fanden die Kinder ihren Ausflug unter Tage? „Das Kohlegraben fand ich gut“, meint Janis. „Mir hat gefallen, dass ich den Hänger ziehen durfte“, sagt Anton. Er hätte am liebsten den Gang weiter gesprengt, aber „das durften wir ja nicht“. Aber das ist für den Achtjährigen schon in Ordnung, denn das Feuermachen findet er „auch klasse“.