Zukunft Ruhrgebiet 1 - Ein Großflughafen und eine lebende Brücke

Wie sich das Ruhrgebiet auf die Zukunft vorbereitet. 

Heute kommt die Kanzlerin! Großer Bahnhof in Essen auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Auf einem vom Initiativkreis Ruhrgebiet ins Leben gerufenen Kongress mit dem anspruchsvollen Titel „Contract Future Ruhr 2030“ kommen über 400 kluge, wichtige und weniger kluge, nicht ganz so wichtige Leute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen, um eine Vision für das Ruhrgebiet zu entwerfen. Arbeitsgruppen haben im Vorfeld zu Themengebieten wie Infrastruktur oder Gesundheit Vorschläge erarbeitet, die auf der Veranstaltung vorgestellt werden sollen.

Die Anwesenheit von Angela Merkel steigert die Wichtigkeit des Anliegens und das BKA prüft schon seit Wochen akribisch die Daten von Teilnehmern und Berichterstattern, damit den wichtigen Politikern und Wirtschaftsbossen auch nichts Böses zustößt. Natürlich werden auch wir hinfahren, denn die Zukunft des Ruhrgebietes interessiert uns brennend.

„Wer einen großen Wurf erwartet oder etwas nie Gesehenes, der wird enttäuscht werden“, dämpft ein Mitglied des Initiativkreises die Erwartungen. Und in der Tat sorgt im Vorfeld von Ruhr 2030 vor allem eine alte Idee für Furore, die immer mal wieder aus der Schublade gezogen wird: das Projekt Großflughafen Ruhr.

Garzweiler, das ausgeweidete, menschenleere Braunkohle-Areal wäre ein idealer Standort, finden Befürworter der Idee. Ein Metropolenflughafen für das Ruhrgebiet sei essenziell, allein schon wegen des riesigen Touristenaufkommens aus Asien – Millionen von Asiaten werden nach Experten-Berechnungen das Gebiet zwischen Rhein und Ruhr besuchen. Vom Aufkommen des Geschäftsverkehrs ganz zu schweigen. Und die vorhandenen Flughäfen wie Köln/Bonn und Düsseldorf damit völlig überfordert sein. Die protestieren natürlich heftig - und schon ist der Streit um die Flugvisionen wieder neu entfacht.

„Das Thema Großflughafen ist bei weitem nicht das Wichtigste, wenn auch das Spektakulärste“, rudert das Initiativkreis-Mitglied zurück – möchte mit dieser Meinung aber anonym bleiben. Schließlich will man ja den Kollegen nicht in den Rücken fallen.

Eifrig bastelt das Ruhrgebiet also im Hinblick auf das Großereignis Kulturhauptstadt 2010 an tollen Projekten, denn Fördergeld lockt. Und so stellten die Duisburger unlängst auf einer Immobilienmesse in München die Wohnbrücke „Living Bridge“ vor – ein Bogen, der in der Nähe des Duisburger Innenhafens über den Ruhrkanal gespannt werden soll und der Wohnen, Arbeiten, Konsumieren an einem Ort vereinigt.

Der Stararchitekt Hadi Teherani scheut den Vergleich mit der Ponte Vecchio in Florenz nicht, auch nicht den mit der Rialtobrücke in Venedig. Uns erinnert es eher an die Seufzerbrücke, geht die schicke Living Bridge doch mal wieder meilenweit an der Lebenswirklichkeit der meisten Ruhrgebietsmenschen vorbei. Wer soll denn bitteschön in all die Yuppie-Wohnungen einziehen? Oder sind es wohlmöglich die Chinesen, die über den Garzweiler-Großflughafen ins Ruhrgebiet einfallen?

Wir warten ab, was aus all den Visionen wird - und bestaunen einstweilen den bereits umgesetzten Wandel im Duisburger Innenhafen. Dort gibt es auch Neuigkeiten: Legoland eröffnet im Frühjahr 2008 ein Discovery Center im alten Werhahn-Speicher, wo im Moment noch das Kindermuseum Atlantis residiert. Wer möchte, kann die schönen Aussichten am Innenhafen genießen. Viel Spaß dabei!