Zukunft Ruhrgebiet 2 - Modernes Leben im Revier

Eine Ausstellung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen zeigt, wie und wo Künstler die Zukunft des Ruhrgebietes sehen.

Heute sind wir im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen - und besuchen vorab die Ausstellung „Kunst - Zukunft - Ruhrgebiet“. Zwölf Künstler zeigen ab dem 9. November ihre rund 70 Exponate über das moderne Leben im Revier: Szenen aus einer Dortmunder Hightech-Firma, Fotos von der Ruhrtriennale, Bilder von Windrädern oder Freizeitaktivitäten auf dem Essener Baldeneysee. „Wir wollten mit den ausgestellten Arbeiten für das Ruhrgebiet zukunftsträchtige Ergebnisse des Strukturwandels in Bereichen wie Architektur, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Freizeit herausstellen“, sagt Horst Stevenson, Macher der Ausstellung.

Als Beispiele dienen spektakuläre Bauten wie die Zollverein School of Management and Design in Essen, fotografiert von Norbert Enker. Ikonen moderner Architektur sollen das in den Köpfen festgesetzte Bild von stereotyper Nachkriegs-Bebauung im Ruhrgebiet ablösen.

Besonders gut gefallen haben uns Bilder, die Menschen und Migration zum Thema machen. Auf besondere Weise wird die Vereinigung unterschiedlicher Kulturen zelebriert in einer Serie namens „Porträts der Zukunft“ des gebürtigen Spanier Pedro Malinowski, der in Gelsenkirchen wohnt. Er thematisiert die Integration ausländischer Zuwanderer im Ruhrgebiet – und hat dafür junge Besucher des Habana Clubs in Essen porträtiert. Bilder zweier Menschen unterschiedlicher Herkunft hat er anschließend mit Hilfe elektronischer Prozesse miteinander verschmolzen - in der Fachsprache: Morphing. Entstanden sind Porträts von Menschen, die als Person in dieser Form gar nicht existieren und die Züge von unterschiedlichen Nationalitäten tragen. Interessant: Bei Malinowskis softwaregesteuertem Menschenmischmasch setzt sich immer der dunkle Typ durch - und bei der Vermischung von zwei Geschlechtern immer die Frau.

Veränderung dokumentieren auch die Fotos von Tomas Grohé über die Emscher. Der Gelsenkirchner hat für die Ausstellung zwei Serien ausgewählt, darunter eine durch den Bergbau abgesenkte Landschaft des Emscherbruchs. Grohé, der lange als Projektleiter bei der Emschergenossenschaft arbeitete, dokumentiert hier die Renaturierung des Flusses in Momentaufnahmen. Die Entstehung des Emscher Landschaftsparkes ist ein wichtiges Zukunftsprojekt im Ruhrgebiet, an dem sich 20 Städte beteiligen. Stevenson dazu: "Diese Gegend wird in spätestens 10 Jahren eine begehrte Wohngegend sein und den Leuten wird nicht auffallen, dass es sich nicht um eine natürliche Landschaft handelt, sondern um eine renaturierte".

Der Kurator ist mit dem Ergebnis der Ausstellung zufrieden, hatte aber bei der Suche nach Fotografen und Malern, die sich mit Zukunftsthemen beschäftigen, einige Mühe: „Es gibt kaum Künstler, die nach vorne schauen.“ Viele würden zwar neue Techniken benutzen, seien aber bei der Auswahl der Motive wenig progressiv. Nach wie vor, so Stevenson, gehörten etwa bei den Ausstellungen des Pixelprojektes Ruhrgebiet die Industriedenkmäler zu den beliebtesten Motiven.

Die Ausstellung ist vom 9. November bis 15. Dezember 2007, montags bis sonnabends von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Fotos und Bilder sind zu käuflich zu erwerben. Preise auf Anfrage.