Tag 49 - Traut Euch was!

Im Ruhrgebiet wird wieder mehr gegründet. Aber die Zahl der Jungunternehmer reicht noch lange nicht aus. Wie wäre es also damit, 2008 endlich mal den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen?

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und spätestens Silvester ziehen wir Bilanz. Was hält das neue Jahr für mich bereit, fragen sich die meisten. Was soll so bleiben, was muss ich ändern?

Weitermachen wie bisher? Mindestens mal mit dem Rauchen aufhören? Und überhaupt: der Job. Macht die Aufgabe noch Spaß oder nervt der Chef? Auch für Uni-Absolventen und Berufseinsteiger stellt sich die Frage: Wie sieht die Perspektive aus? Was macht man sinnvollerweise mit dem Rest seines Lebens? Wie wäre es also damit, das Leben einfach mal in die Hand zu nehmen und sein eigenes Ding zu machen?

Passend zu dieser Fragestellung stellt die IHK Bochum jetzt den Gründerreport Ruhr vor, der zum Thema ein paar interessante Denkanstöße gibt. Erfasst wird in dem Bericht die Entwicklung der Selbständigkeit in den Bezirken Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen sowie Kommunen im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis und die Emscher-Lippe-Region im Zeitraum zwischen 2005 bis Mitte 2007. 

„Während früher vor allem Zulieferbetriebe rund um die Montanindustrie aus der Taufe gehoben wurden, setzt der neue Mittelstand auf Dienstleistungen, HighTech und Kreativbranchen“, erklärt Tillmann Neinhaus, Hauptgeschäftsführer der IHK Bochum.

Um 5,7 Prozent ist die Zahl der Unternehmen in den vergangenen Jahren auf insgesamt rund 254 000 Betriebe gestiegen. Vor allem Dienstleistungen liegen im Trend:  Ob Hausmeisterservices oder Krankenfahrdienste, Werbeagenturen oder Finanzberatung - mit einem ordentlichen Zuwachs (plus 520 Unternehmen) erleuchtet vor allem der Bereich Datenverarbeitung und Datenbanken die Statistik der IHK-Bezirke.

Insgesamt krankt das Ruhrgebiet allerdings immer noch an einer im Verhältnis zum Bundesgebiet (11 Prozent) niedrigen Selbständigenquote von 8,7 Prozent. Neinhaus führt das vor allem darauf zurück, dass „das Leitbild des Gründers in unserer Region nicht in den Köpfen verankert ist“.

Hinzu kommt die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung von Geschäftsideen. „Da muss sich dringend was ändern“, sagt Neinhaus, der aber gleichzeitig feststellt, dass viele Gründer ihre Ideen schlecht verkaufen und – schlimmer noch – schlecht vorbereitet sind. „Business- und Projektpläne, Finanzplanungen und dergleichen sind oft Fehlanzeige“, sagt er.

Hilfestellung soll die neue Einrichtung der Startercenter NRW bieten. Dabei handelt es sich um Anlaufstellen bei Handels- und Handwerkskammern, die Gründungsinteressierte beraten und beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen helfen, damit der Start ins Unternehmertum auch klappt.

„Selbständigkeit ist auch Selbstverwirklichung“, findet Neinhaus. Und er hat noch weitere Wünsche und Ratschläge auf Lager. Wer mehr wissen will, klickt auf das Dreieck und los geht’s.

 


Link: sevenload.com

Kommentare:

weltkind schreibt am 15.12.2007 14:30:

datt hasse aecht gut geschrieebn, britta - endlich mal jemand, der sich so doll aergern kann wie ich ;-).

ich glaube, es liegt auch daran, dass diese ganze beraterszene eine bluehende branche ist, die von scheiterern, zoegerern, zauderern und hilflos aengstlich wie das kaninchen vor der eigenen courage erstarrenden "Existenzgruendern" lebt; das ist eine regelrechte berater-mafia. oft sind es personen, die selber vorher arbeitslose akademiker waren: und die jetzt, sehr oft am tropf einer arbeitsagentur, arme wuerstchen coachen, beraten und was weiss ich nicht was. boh glaubzze! sELBER machen, los legen und sich eine gute, nicht zu teure steuerberaterin oder fachanwaeltin fuer steuerrecht suchen. ausserdem: eine "existenz" hat man von geburt an, "gegruendet" haben sie allenfalls meine eltern. alleine an diesem wort entlarvt sich das hiernverbrannte des ganzen systems.

Britta schreibt am 14.12.2007 17:54:

Die Bilder im Film sind der Hit! Wunderbare Unterhaltung :-)

Also mal abgesehen davon, dass es im Ruhrgebiet mal wieder am schlimmsten aussieht, hat unser schönes Deutschland ein generelles Problem mit den Existenzgründungen. Der Global Entrepreneuship Monitor (Studie über Unternehmensgründungen im weltweiten Vergleich) verkündet seit Jahren, dass wir eine der niedrigsten Gründerquoten haben. Bei gleichzeitig bester Förderinfrastruktur. Völlig paradox.

Als Hauptgrund für die niedrige Gründerquote wird seit Jahren derselbe Grund genannt: Die Deutschen haben Angst vorm Scheitern. Der Mut ist uns irgendwie abhanden gekommen.

Ja, und nu? Ich bin dafür, die ganze Existenzgründerförderung radikal anders zu denken. Ich sage: Herr Neinhaus, trauen Sie sich mal was! Machen wir doch mal ein Experiment und schaffen, sagen wir mal für ein Jahr, die komplette Förderung ab. Sowohl die öffentliche als auch die private. Sowohl Beratung als auch Finanzierung. Ich wäre sehr gespannt, wieviel kreatives Potenzial dann auf einmal freigesetzt würde.

Aus meiner Sicht hätte das viele Vorteile. Ich muss mir zum Beispiel keine Gruselgeschichten mehr von Existenzgründern anhören. Berichte wie diesen http://theruhr.blogspot.com/2007/12....r-gesellschaft-warum.html hab ich schon zigfach gehört. Und da ist natürlich was wahres dran.

Gründer würden lernen, was Gründer meiner Meinung nach brauchen. Einfallsreichtum, Selbständigkeit und sich irgendwie mit Unterstützung von hilfreichen Menschen durchzubeissen.

Businesspläne werden abgeschafft. Gründung wird bunt, kreativ, sexy und macht wieder Spaß. Wer Kreativwirtschaft will, soll Kreativität zulassen. Das Beispiel von Tinka find ich toll. Einfach mal machen auch ohne genaue Ahnung am Anfang. Schwupps wird so ein Wochenende organisiert.

Die Beispiele von Weltkind und Thomas Wiese http://www.pott2null.de/cms/a75.det....-mit-IG-Metall-Buch_8.htm zeigen auch, dass es anders geht.. Euros von der Verwandtschaft, Motivation, gesunder Optimismus und ein Schuss Naivität und los geht`s.

Ob ein Berater Thomas Wiese eine Unternehmerpersönlichkeit bescheinigt hätte? In der Gründerberatung werden viele Dogmen verkündet. Was man nicht alles haben und machen soll. Wie böse man angeguckt wird, weil der USP fehlt oder die Zielgruppe noch nicht klar eingegrenzt ist. Schlimmer als in der dritten Grundschulklasse, wenn man das Gedicht nicht ordentlich aufsagen konnte. Ich hab`s in schmerzhaften Selbstversuchen getestet.

Hat jemand von euch Kontakt zu Bill Gates? Hatte der einen Businessplan? War er in einem Startercenter? Ich weiss nur von einer Garage. Konnte Bill Gates Buchführung? Warum muss ein Existenzgründer in diesem Land eigentlich zur eierlegenden Wollmilchsau werden?

Und dann das Scheitern. Es kann immer passieren, dass ein Unternehmen scheitert. Egal, ob großer Konzern oder „kleine Klitsche“. (Übrigens kann aus „kleinen Klitschen“ in Essen Schonnebeck auch was großes werden http://de.wikipedia.org/wiki/Aldi-Gruppe ) Es gibt viele Beispiele von Unternehmern, die auf die Nase gefallen sind, bevor sie erfolgreich wurden. Man hat`s probiert, es klappt nicht, man ist ge-scheiter und macht halt etwas neues. Na und? Anne Koark http://www.anne-koark.com/ zeigt, wie man mit Würde und Humor Pleite gehen kann. Allerdings stammt sie auch aus England.

Während man in anderen Ländern den Versuch des Unternehmers wertschätzt, hagelt es bei uns Kritik: „schlecht vorbereitet“, „verkauft sich schlecht“, „keine Unternehmerpersönlichkeit“ usw. Isses da ein Wunder, wenn die Angst vorm Scheitern nicht abnimmt? Schlimmstenfalls wird man noch aus dem Golfclub gemobbt. Hab ich alles schon gehört.

Und Hans, an welchen Kriterien machst du fest, ob jemand für die Gründung geeignet ist?

Ich möchte das erste Gründer-Motivations-Akkordeon-Sousaphon der Welt! Mit Herrn Neinhaus als Modell. Trauen wir uns das?

Ist ein bisschen lang geworden, sorry...

Hans schreibt am 13.12.2007 12:39:

Finde diesen Bericht einseitig positiv.
Hätte gerne mal gewusst, wieviel Zwangsgründer dabei waren. Die Arbeitslosigkeit treibt doch viele dazu, es auf eigene Faust zu probieren. die Arbeitsagenturen ermutigen doch jeden Depp, seine eigene Klitsche aufzumachen. viele scheitern und häufen Schulden auf. Die Zahl der Insolvenzen und Liquidationen sagt doch alles. Selbständigkeit ist kein Allheilmittel und nur die wenigstens Leute sind dafür wirklich geeignet.

Tinka28 schreibt am 12.12.2007 16:19:

Alles gut und schön. Auch die Startercenter. Aber unkonventionelle Ideen müssen her, um junge Leute zur Gründung zu bewegen. Ideen wie diese zum Beispiel: Das Startup Weekend - festgehalten von Mario Sixtus.

http://www.elektrischer-reporter.de/index.php/site/film/55/

Ich wünsche mir mehr frische Aktionen an den Unis!

der Wagemutige d. aus do schreibt am 12.12.2007 11:00:

Am allergeilsten sind jawohl die genialen Grafiken zwischendurch! Da will man glatt die Arme in die Luft strecken und von einer Klippe springen!

Der Pneuphoniker schreibt am 12.12.2007 10:09:

Innovative Interviewtechnik und bestens aufbereitet! Zusammen mit den guten Inhalten des Vortragenden wird das Gründen ja direkt zu einem Muss! Da traut man sich.

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