Tag 46 - Bunker und Budenromantik

Teil 3 unserer Serie führt uns zu einer der schönsten Buden im Revier und zur neuen Sachlichkeit im Trinkhallen-Geschäft.

Heute sind wir in Wanne-Eickel – und machen auf unserer Route der Budenkultur eine Reise in die Vergangenheit. Auf dem Hof des Heimat- und Naturkundemuseums steht eine der schönsten Buden des Reviers. Das Prachtstück aus Holz und mit der Glücksgöttin Fortuna auf dem Satteldach wurde um 1880 von einem Mineralwasser-Fabrikanten an der Gelsenkirchener Str. in der Höhe der Straße Am Mühlenbach aufgestellt und versorgte die Arbeiter der  Zeche Pluto-Wilhelm mit Selters.

Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Trinkhalle mit einem Kieslader ins örtliche Museum gebracht. „Leider fehlte die Inneneinrichtung, so wurde die Bude mit Flaschen und Utensilien der ortsansässigen Hülsmann-Brauerei bestückt“, erzählt Alexander von Knorre, Direktor des Emschertal-Museums in Herne, zu dem auch das Heimatmuseum gehört. 

Von Knorre sieht neben dem nostalgischen Wert der Trinkhalle vor allem ihren Wert „als kulturhistorisches Zeugnis“: „Buden sind ein typisches Merkmal des Ruhrgebietes.“ Und waren früher durchaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Revier. Sie machten, so von Knorre, in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Umsatz von rund sieben Milliarden Mark. Allerdings war die Verdienstspanne der meist von Familien betriebenen Trinkhallen damals ziemlich gering: Sie lag zwischen drei und sieben Mark pro Stunde.

Heute machen gut laufende Buden zwischen 500 000 und 1 Million Euro Jahresumsatz - das aber ist die absolute Ausnahme.

Die Mehrheit begnügt sich mit Mittelmaß -viele sind schlicht ungepflegt, wie zum Beispiel diese Verkaufsstelle in Herne, Auguststraße/Ecke Bahnhofstraße. 

Manche versuchen es mit Fokussierung auf ein ausgewählt kleines Sortiment. Die Spezialisierung scheint zu  helfen, wie die Bude am Dortmunder Nordmarkt zeigt. Dort war bereits in der Mittagszeit die Hölle los.  

Wir sagen: Prost!

 

Zwei schöne Exemplare hat das Reviersternchen entdeckt und im Bild festgehalten. Die erste befindet sich in einem Haus in der Nähe des Bochumer Tierparks/Planetariums. Die zweite hat ein niedliches grün-lackiertes typisch deutsches Zäunchen. Sie steht in Witten-Annen, Ecke Erzbergstraße, und wird von einer türkischen Familie geführt. "Anders als die meisten übrig gebliebenen Buden ist diese sehr gepflegt und fällt schon daher angenehm auf", schreibt sie in ihrem Kommentar zum Bild. 

Britta schickte uns zwei Fotos von ihrer Lieblingsbude - der Bunkerbude in Duisburg. Ein schönes Gegenstück zur Fortuna-verzierten Museumsromantik. Danke für die gelieferten Beiträge! Wir haben uns sehr gefreut! Denn gemeinsam sieht man mehr!

 

Kommentare:

Friedhelm Wessel schreibt am 30.11.2007 09:58:

Wirklich interessant. Doch wer sich für die "Selters-Buden" im Revier interessiert, sollte mal ins Buch "Kommse anne Bude" von Alf Rolla schauen. Es ist im April diesen Jahres im Wartberg-Verlag erschienen.

Annette schreibt am 28.11.2007 11:21:

@ DerQn

Klar gibt es auch anderswo Buden - auch am Niederrhein oder in Düsseldorf. Aber Trinkhallen gehören eben zum Ruhrgebiet wie Taubenzüchtervereine oder Bergmannschöre. In diesem Sinne äußerte sich Herr von Knorre, als er von einem "typischen Merkmal" des Ruhrgebiets sprach. Im Übrigen gibt es im Revier mit 17 000 Buden die höchste Budendichte Deutschlands.

Und Du hast Recht: Tankstellenshops und verlängerte Ladenöffnungszeiten machen ihnen ganz schön Konkurrenz.

LG, Annette

DerQn schreibt am 28.11.2007 10:42:

Hallo Ihr Lieben,

„Buden sind ein typisches Merkmal des Ruhrgebietes.“

Da muss ich aber doch mal heftig eingrätschen: Buden sind m.E. ganz allgemein (und überregional) ein typisches Merkmal einer funktionierenden Quartiers-Ökonomie - neudeutsch auch Nahversorger genannt.

Ich jedenfalls kenne entsprechende Kleinläden gleichermaßen aus meiner Kindheit in Bonn (sicherlich nicht Ruhrgebiet) wie auch aus dem Ort, in dem mein Nachwuchs nun Kind ist (linker Niederrhein, und damit sicher auch nicht Ruhrgebiet). Der Weg zum "Büdchen" und das Umsetzen von Taschengeld in Süßigkeiten (Haribo-Colafläschchen für 5 Pfennig/Euro-Cent, etc.) waren und sind immer noch und allerorten Highlights im Kinder-Alltag.

Abschließend noch eine weitere - wieder ökonomische - Überlegung. Wenn selbst in meinem aktuellen Heimatörtchen der Dorf-Supermarkt von Montag bis Samstag von 8-20 Uhr, teils sogar von 8-22 Uhr geöffnet hat, wo bleibt dann noch die Marktlücke, in der die Büdchen ihr (kärgliches) Auskommen finden?

Gruß und "keep on rockin'"

DerQn

weltkind schreibt am 27.11.2007 19:51:

die bunkerbude ist ja der wahnsinn! toll. ich dachte uebringes, eure aktion waere zu ende, sonst haette ich euch meine neueste http://theruhr.blogspot.com/2007/11....n-auch-in-zimtrausch.html buden-entdeckung geschickt. sie steht im vollweihnachtsschmuck in gelsenkirchen-rotthausen am gruenen weg in einem alten wohngebiet (schoene strassen mit gepflegten zechenhaeusern und alten strassenlaternen der ehemaligen zeche dahlbusch) und leuchtet still vor sich hin ;-).

Rik schreibt am 27.11.2007 19:27:

Schöne Fortsetzung eurer Buden-Serie! Und danke auch an Britta für die Bilder von der Duisburger Bunkerbude. Die hat mir auch immer gut gefallen, nur während einer Stunde am frühen Morgen nicht. - Dann ist nämlich zu!

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