Tag 39 - Ne Waaaaahnsinnszeit!

Die wichtigsten Kritiker des Bochumer Schauspielhauses sitzen nicht bei der FAZ oder der Zeit – sie treffen sich in einem Tante-Emma-Laden.

Heute sind wir in Bochum. Im Feinkostgeschäft von Elli Altegoer auf der Königsallee 72. In einem idyllischen Winkel, abseits des Zentrums existiert dieser von der Nachbarschaft viel frequentierte Laden schon seit 40 Jahren. Und er läuft und läuft und läuft…
Zu verdanken ist das alles Elli Altegoer, die mit unermüdlichem Einsatz nicht nur die Umgebung mit Lebensmitteln versorgt, sondern zugleich auch Kummerkasten und Klatschzentrale ihres näheren Einzugsgebietes ist.

Und dazu gehört eben auch das Bochumer Schauspielhaus. Gästewohnungen des Theaters für neue Ensemble-Mitglieder und Gast-Stars liegen direkt über Ellis Laden. Und so kommt keiner – auch nicht der berühmteste Bühnenschauspieler - an ihr vorbei. „Früher oder später landen sie alle bei mir“, lacht Elli, die mit dem ehemaligen Bochumer Intendanten Matthias Hartmann per Du war, noch bevor er seinen Dienst antrat.

Natürlich hat sie ihn gegen den aktuellen Theaterleiter Elmar Goerden ausgetauscht (nur das Foto an der Wand natürlich), aber bei Kaffee und Keksen in dem zum Geschäft gehörenden Zeitungseckchen sind sich alle einig: Unter Hartmann war das Theater besser. „Das war ne Waaaaaaahnsinnszeit“.

Die insgesamt wohlwollend besprochene Premiere von „Wie es Euch gefällt“, gefiel den Damen vom Elli-Treff nicht: „Zuviel Hang zum Klamauk“ - aber auch wenn Stücke mal richtig floppen – „einmal Fan, immer Fan“. Dem Bochumer Schauspielhaus, einer der legendären Bühnen Deutschlands, „wird die Treue gehalten“, sagt Elli.

Einzig, wenn Freitags Premieren sind, schwänzt sie inzwischen „ich muss ja schon morgens um 4 Uhr aufstehen, da habe ich Angst, ich nicke ein und schnarche dann“, sagt Altegoer.

Wenn sie in den eigenen vier Kaufladen-Wänden mal schwächelt oder ein Kamerateam zu Gast hat, dann helfen die Kunden aus – „Einfach übern Daumen peilen“, ruft sie rüber zur Kasse, als die Nachbarin nach den Preisen fragt.

Man muss Elli einfach lieb haben – eine Frau mit Herz und Schnauze und gesundem Menschenverstand – nur Diskretion ist ihre Sache eher nicht – „aber“, sagt sie, „meine Kunden wissen ja auch fast alles von mir!“

Danke, Elli, dass wir kommen durften! Wir hatten auch ne Wahnsinnszeit!

Und wer sich selbst ein Bild von dieser ungewöhnlichen Frau verschaffen möchte, klickt auf das Dreieck und los geht’s:

 

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Kommentare:

Martin und Sabine schreibt am 13.12.2010 23:17:

Wir haben Elli durch Zufallkennen gelernt, weil mein Mann dort in der Nähe eine Baustelle hatte.....
Ist echt ne tolle, danke Elli, dass wir dich kennen lernen durften.
War eine echte Bereicherung

Justine schreibt am 02.01.2009 21:37:

An meine Elly jetz gibt es deinen laden schon 40 Jahre und dir kommt es nicht so vor aber uns schon den jeder tag mit dir is unvergesslich und dafür elly dankt dir deine beste Freundin Justine

Justine schreibt am 20.03.2008 21:44:

elly wie sie leibt und lebt sie ist meine beste freundin und sie ist echt eine super frau

Katja schreibt am 04.11.2007 13:01:

@weltkind: Ja, das glaube ich; die Ära der "Haußmann-Familie" war sicher auch ne tolle Zeit. Ist halt ein ganz besonderes Schauspielhaus :-)
Ansonsten: Danke für das Lob!

weltkind schreibt am 03.11.2007 14:23:

herrlich. habe mich vor allem beim anschauen des kleinen filsm koestlich amuesiert.

vor ein paar monaten habe ich uebrigens durch zufall einen schauspieler kennen gelernt, der mal in bochum gespielt hat. kein "star", sondern schlicht einer aus dem ensemble. der sagte: fuer die schauspieler sei vom menschlichen, von der arbeitsatmosphaere und fuer ihn persoenlich kuenstlerischen her die tollste zeit die mit leander haussmann als intendant gewesen.

ein toller artikel ;-).

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