Tag 37 - Notizen aus der Provinz

Über die Komplexe des Ruhrgebietes am Beispiel eines Shoppingcenter-Neubaus in Essen.

Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Der Wandel ist unaufhaltsam. Auch bei unserer kleinen Heimatseite pott2null.de. Ab heute begrüßt Euch als Startseite eine Baustelle. Denn auch wir verändern uns. Lasst Euch überraschen und besucht uns auch während des Umbaus weiter so fleißig wie bisher! Wir erwarten keine Beeinträchtigung des Webseiten-Traffic. 

Und wo wir gerade dabei sind: Im Vorfeld des Kulturhauptstadt Großereignisses im Jahr 2010 rollen jede Menge Bagger durchs Ruhrgebiet. Eine Baustelle, die uns besonders auffällt, ist die in Essen am Limbecker Platz. Dort wird ein riesiges Einkaufscenter errichtet, das den individuellen Einzelhandel in der Stadt wohl genauso tot quälen wird, wie es das Centro in Oberhausen mit den Kaufleuten auf der Marktstraße geschafft hat. 

In Asien übrigens kann man besichtigen, dass es einen durchaus erfolgreichen Gegentrend zu den mit Standard-Markenartikeln vollgestopften Shopping-Malls gibt – in Bangkok zum Beispiel boomen Distrikte mit individuellem Möbel- und Modedesign. Soviel zum Blick über den Tellerrand. 

Aber was sollen wir uns aufregen, der Wahnsinn ist ohnehin nicht zu stoppen und die Planer sind überzeugt, dass die „Metropole Ruhr“ sowas braucht und begleiten das Projekt mit einer Image-Kampagne voller Merkwürdigkeiten. Ins Internet gestellte Filme vom Richtfest und eine Live-Webcam von der Baustelle sind nur zwei in einer ganzen Reihe von bizarren Ideen.

Am Irrwitzigsten finden wir allerdings die Kampagne „Essen wird Weltklasse“, bei der Vergleiche mit Städten wie Paris, Rom und Amsterdam angestellt werden. Sie sagt alles aus über die Komplexe einer Region, die so gern Metropole wäre und sich mit genau solcher Werbung selbst abqualifiziert. Nein, Essen, das ist nicht Weltklasse – und wird’s auch nie. Das ist tiefste Provinz. 

Anbei noch ein paar Beispiele zum Thema Wunsch und Wirklichkeit. Viel Spaß beim Angucken!

 

 

  

 

 

 

 

Kommentare:

Katja schreibt am 31.10.2007 17:42:

Hab das Unperfekthaus neulich in A40 gesehen.

http://www.wdr.de/tv/a40/sendungsbe....07/1013/unperfekthaus.jsp

Muss mal selber hingehen und mir ein Bild machen.

Klaudia schreibt am 31.10.2007 13:49:

Tatsächlich! Hollywood in Essen!

Vom Unperfekthaus höre und lese ich in letzter Zeit ständig. War leider immer noch nicht dort. Neugierig bin ich schon. Das i-Sofa ist 'ne witzige Idee. Und insgesamt scheint viel Raum für (Un)Mögliches zu sein...

Britta schreibt am 31.10.2007 13:22:

na, das sieht doch schon fast aus wie Paris ;-)

...apropos Gegenbewegung: direkt umme Ecke dieser Großbaustelle ist das Unperfekthaus http://www.unperfekthaus.de/

Kennt ihr das?

Bashar schreibt am 31.10.2007 10:31:

Hihi,
der Center Manager (http://www.limbecker-platz.de/de/home/home.html) hat ein bisschen Ähnlichkeit mit Herrn Travolta (http://media.outnow.ch/News/2002/20021031_travolta.jpg)
Das ist wirklich etwas bizarr ;)

Klaudia schreibt am 30.10.2007 18:18:

Hallo Katja,

vielleicht hab' auch ich mich missverständlich ausgedrückt ;-) Ich fände so eine Gegenbewegung super und würde das sehr begrüßen. Hier in Oberhausen z.B. (ja ja, tiefste Provinz trotz Centro & Co) ist man ja (vordergründig?) sehr bemüht, die Marktstraße wieder zu beleben, die Leerstände zu füllen. Denn irgendwie ist wohl aufgefallen, dass das Centro auch nicht alles ist.
Aber leider ist das hier sehr halbherzig und es funktioniert einfach nicht. Demnächst wird's hier ein großes CallCenter geben. und eine Art Gesundheitshaus und McPaper zieht hierher. Nach mehr Flair hört sich das nicht an...Und viele Städte hier haben wohl das gleiche Problem mit fantasievoller Stadtplanung.

So eine Stadt wie Paris oder Rom ist ja auch geprägt durch Cafés, Kneipen, Ateliers, Indie-Designerläden, kleinen schnuckeligen Buchläden usw.
Es gibt natürlich auch die großen Ketten. Aber es scheint mehr Platz für Nischen zu geben.

Katja schreibt am 30.10.2007 14:35:

Also vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt im Hinblick auf das Bangkok-Beispiel. Was ich sagen wollte: Wie wäre es denn, wenn man mal einen anderen Weg ausprobiert, statt immer denselben ausgelatschten Trampelpfad zu nehmen, den andere schon gegangen sind?

Wie wäre es zur Abwechslung damit, mutig auf einen Gegentrend zu setzen und an einer schönen, authentischen Stadt zu arbeiten, statt eine künstliche Welt mit Paris-Elementen aus Pappmaché zu erschaffen.

Gerade deshalb ist der Vergleich mit Städten wie Amsterdam, Paris oder Rom so lächerlich. Denn diese Orte haben einen eigenen/eigenwilligen Charakter und setzen auf Individualität.

Oliver schreibt am 30.10.2007 10:53:

Watt sachte der liebe Gott allsser dat Ruhrgebiet geschaffen hat ???

Essen is fertich !!!!!

Und die machen alles wieder kaputt!

Aber besonders schön finde ich das "Polen Shopping" in der ersten Collage. Bezieht sich das auf günstige Einkaufsmöglichkeiten oder auf die Beschaffung günstiger Arbeitskräfte? ;o)

Klaudia schreibt am 30.10.2007 10:09:

"Armes Essen" habe auch ich letztens gedacht, als ich nach sehr langer Zeit mal wieder in Essen shoppen war.

Spätestens als ich am Limbecker Platz war fande ich die Atmosphäre unheilvoll. Die Bildwelten der Plakatvision und der chaotischen Wirklichkeit hinter den Bauzäunen sind für mich unvereinbar gewesen. Und das jetzt die U-Bahnen Trams heißen fande ich putzig. Aber was soll's. Wie ihr schon sagtet, es ist nicht aufzuhalten.

Wird die Kettwiger dann die Marktstraße Essens?

Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass hier bald, wie in Bangkok, der Trend weg vom Shopping-Center zu kleinen individuellen Läden gehen soll. Die Leute sind hier zu mainstreamig, als dass das funktionieren könnte.

Kommentar schreiben:

Mit * markierte Felder sind erforderlich