Tag 32 - Gestaltet die Route der Budenkultur mit!

Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Trinkhallen wie im Ruhrgebiet.

Bei unserer Tour durchs Ruhrgebiet stechen sie uns immer wieder ins Auge: die zahlreichen Trinkhallen. Sie stehen als kleine Holzhäuschen auf zentralen Plätzen und an Straßenecken oder sind als Mini-Verkaufsschalter in Häuserzeilen integriert – und prägen das Bild der Region. Rund 17 000 Buden, auch Klümpkesbuden genannt, gibt es im Revier, das ist die größte Dichte in Deutschland.

Und wir haben bereits einige zwischen Duisburg und Dortmund besucht. Denn die Trinkhallen sind ein gutes Beispiel für den Wandel im Revier. Früher standen die so genannten Seltersbuden häufig in der Nähe von Zechen, vor Fabriktoren oder in Arbeitervierteln und übernahmen dort die Versorgungsfunktion. Nach getaner Arbeit kauften sich dort die Kumpel und Malocher ihr Bier oder Mineralwasser, die Kinder holten sich ihre Süßigkeiten, ihre Klümpkes. Bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts haben die Buden ihr Sortiment ständig erweitert und sind heute Verkaufsstellen für den täglichen Bedarf, wo die Menschen Brötchen, Butter und Bier einkaufen und einen netten Plausch halten.

Was auffällt: Das Budengeschäft hat sein Gesicht verändert. Viele deutsche Trinkhallenbetreiber sind im Rentenalter und geben ihre Buden ab, türkische oder andere ausländische Mitbürger übernehmen ihre Verkaufsstellen – wie zum Beispiel in der Kolonie Kirdorf im Dortmunder Stadtteil Eving. Über 15 Jahre lang betrieb das Ehepaar Ingrid und Ulrich Henkel diese wunderschöne Bude, die 1912 als Transformatorenhäuschen gebaut und in die Route der Industriekultur aufgenommen wurde. Anfang des Jahres suchten sie einen Käufer - und fanden ihn schließlich in Ibrahim Turkut. Der 20-Jährige mit türkischen Wurzeln lebt bereits in der dritten Generation in Deutschland. Wer wissen möchte, warum Turkut Trinkhallenbesitzer wurde und wer seine älteste Kundin ist, der klickt auf den roten Button: 


Link: sevenload.com

Wir wollen eine Route der Budenkultur zusammenstellen und starten einen Aufruf: Bitte sagt uns, wo Eure Lieblingsbude steht und warum Ihr dort so gerne hingeht! Vielleicht weil das Gebäude so schön oder skurril, der Besitzer so freundlich oder das Angebot so reichhaltig ist? Eure Vorschläge, Fotos und Links für Filme könnt Ihr an schicken oder einfach als Kommentar schreiben. Damit Ihr Eure Tipps auch wiederfindet, wollen wir sie in der Route der Budenkultur auf einer Landkarte einbinden. Wir freuen uns auf Eure Beiträge.

Ingo's Liebling:

Blaue Bude in Duisburg, Amtsgerichtsstraße

 

Und apropos geschlossene Buden:

Diese - wirklich süße Bude - scheint geschlossen zu sein, gesehen in Wanne:

Kommentare:

Albert Hölzle schreibt am 23.07.2010 10:23:

Hallo,
die Seite ist schon ein paar Tage alt, wie ich sehe. Ist daraus bereits mehr entstanden?

Die Idee zur "Route der Budenkultur" ist uns gestern auch gekommen, aber Vorsicht, wir machen ernst ...

also, einfach mal melden: oder der Gruppe beitreten: http://www.facebook.com/group.php?gid=144532265559216

PypeDeploycle schreibt am 03.02.2008 13:31:

Hello!
Nice site ;)
Bye

ignorant schreibt am 26.10.2007 19:49:

Moin,

da will ich doch mal auf "Exportweltmeister - Trinkhallen in Dortmund" (http://www.exportweltmeister.de) hinweisen.

Klaudia schreibt am 23.10.2007 17:47:

Das Ruhrgebiet ohne Buden kann ich mir nicht vorstellen. Insbesondere früher ging gar nichts ohne Bude. Der Kiosk #1 in Altendorf war mein externer 20h/7 Tage Kühlschrank und Drogeriemarkt. Heute bin ich ja etwas organisierter ;-)

Jo schreibt am 23.10.2007 16:18:

Im Revier hab ich zwar jetzt keine Lieblings-Bude. Als ich vergangenes Wochenende aber staubedingt und vom Navi gelotst durch den Pott gegurkt bin, blieb mir der Kaffee einer Bude in Hagen positiv in Erinnerung: billig (im Verhältnis zu Starbucks & co) und echt gut (auch im Verhältnis zu Starbucks & co). War bestimmt mit Liebe gemacht...

Diana schreibt am 23.10.2007 12:55:

Die rote Bude ist ja der Knaller! Wunderbar!

Katja schreibt am 22.10.2007 16:02:

@Ingo: Annette und ich sind nochmal da vorbeigekommen :-) Ich stell gleich mal ein paar Bilder von der blauen Bude auf die Seite.

Ingo schreibt am 22.10.2007 14:51:

Meine Lieblingsbude ist diese himmelblaue Holzbude in Duisburg. Für Katja musste ich ungefähr 18 Mal durch den davor liegenden Kreisverkehr fahren, bis sie endlich den besten Winkel für ein Foto hatte. Nächstes Mal würde ich dafür auch anhalten :-)

Annette schreibt am 22.10.2007 08:05:

Liebes Weltkind,

danke für die zahlreichen Informationen und Anregungen! Das Heimatmuseum in Wanne-Eickel steht auch noch auf unserer Liste.

Du hast Recht: Das Budengeschäft läuft nicht mehr besonders gut. In den Gesprächen mit den meist türkischen Budenbetreibern kam immer wieder zur Sprache, wie groß die Konkurrenz durch Tankstellenshops ist, aber auch die verlängerten Ladenöffnungszeiten machen ihnen zu schaffen. Nostalgie ist in der Tat hier nicht angebracht.

Viele Grüße
Annette

weltkind schreibt am 20.10.2007 21:59:

so ein zufall! das thema "bude anne ecke" hatte ich auch im kopf ;-).

"buedchen" sagt im revier uebrigens kein mensch. mein opa sagte noch "seltersbude". "trinkhalle" ist auch verbreitet. manchmal steht auch einfach "erfrischungen" oder bei den begehbaren buden "verkaufshalle" drüber.

bei aller nostalgie: man sollte nicht vergessen, dass heute kaum noch jemand von den buden leben kann. die türkischen besitzer schaffen es, weil dort die ganze familie mit anpackt. in essen-kray sind es interessanterweise tamilenfamilien, die viele buden betreiben. in gelsenkirchen-rotthausen gibt es eine bude, die seit jahren von einer sehr gebildeten, westlich geprägten afghanischen familie betrieben wird, die ihre heimat verlassen mussten.

es gibt auch kioske - meist von geschäftstüchtigen besitzern, denen ganze ketten gehören und die selber nie in den buden zu sehen sind ausser zum abendlichen abkassieren -, die arme witwen oder hartz iv-empfängerinnen (es sind sehr oft alte frauen!) ausbeuten und sie schwarz für einen hungerlohn von 3 € die stunde malochen lassen. leider realität. andere büdchen-ketten zwingen ihre betreiber, bei bestimmten zwischenhaendlern zu überteuerten preisen zu kaufen. der eigentliche tod der buden sind aber wohl die tankstellen-shops.

in gelsenkirchen gibt es eine bude aus den 1950er jahren, eher ein pavillon, die unter denkmalschutz und leider leer steht. http://gelsenkirchener-geschichten.de/viewtopic.php?t=751 hier seht ihr sie. auf diesem gelsenkirchener forum kramen ureinwohner in buden-erinnerungen ihrer kindheit: http://www.gelsenkirchener-geschichten.de/viewtopic.php?t=875

einen besuch wert ist das heimatmuseum von wanne bei eickel auf dem gelände der ehemlaigen zeche "unser fritz": dort wurde ein echtes büdchen originalgetreu wieder aufgebaut: es ist besonders schön und hat auf dem dach eine fortuna mit füllhorn. das "herner feuilleton" berichtet darüber: http://www.herner-netz.de/Heimat-Na..../Museum-S5/museum-s5.html in duisburg gibt es einen fotografen, wolfgang schneider, der sich auf das fotografieren von buden spezialisiert hat (hat auch mal im bottroper quadrat ausgestellt), http://www.pegel-ruhrort.de/2007/05/27/die-bude-umme-ecke/ , hier naeheres zu ihm. vielleicht kriegt ihr dort im archiv naehres zu ihm raus. es gab auch mal einen wettbewerb "die schoenste bude im ruhrgebiet", fragt mal nach beim kommunalverband.

leider gibt es auch bei weltkind umme ecke ne bude. ich sage "leider", weil sie zur saeuferbude verkommen ist. tagein tagaus steht dort der abgewrackte white trash unseres viertels, saeuft sich die hucke voll und terrorisiert die anwohner. zerbrochenes flaschenglas überall, auch auf dem spielplatz. auch das ist leider budenrealität, bei aller nostalgie.

liebe gruesse und weiterhin frohes schaffen
weltkind

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