Tag 31 - Orwell, Hurz! oder: Ein Gottesdienst der besonderen Art

Der Zukunftskongress Ruhr 2030 gleicht einem Sektentreffen.

Bis zum Schluss wird nicht ganz klar, wer oder was hier eigentlich angebetet wird: Werner Müller - oder ein Multimedia-Messias mit Namen Mr. Zukunft oder die Bundeskanzlerin.

Die Zukunfts-Konferenz „Contract Future 2030“ in Essen,  ausgerichtet vom Initiativkreis Ruhrgebiet liefert wenig Inhalt und jede Menge Visionen – wir fühlen uns jedenfalls ständig an Helmut Schmidt erinnert.
Übertönt von greller Zukunftsmusik tanzen Hohepriesterinnnen des Wandels über die Bühne und rufen „Mr.Zukunft“ an. Letzterer wirkt wie eine Orwellsche Figur oder der Sektenführer einer Freikirche.

Im Publikum lauschen 400 mehr oder minder Wirtschaftsprominente den Worten der Zeremonienmeister Müller und Mr. Zukunft (unter den Gästen: Rudi Assauer! von der TAG GelsenData Internet GmbH & Co. KG!).

Den Höhepunkt erreicht die - an einen bizarren Gottesdienst erinnernde - Veranstaltung, als Angela Merkel den Raum betritt: Die Gemeinde erhebt sich und huldigt der Kanzlerin.

Als in einem der eingestreuten Expertenbeiträge die Bemerkung fällt, man könne sich vorstellen, zur Verflüssigung des zähen Verkehrs im Ruhrgebiet die A40 mittelfristig zumindest an bestimmten Wochentagen für den PKW-Verkehr zu öffnen und den LKW-Verkehr ausschließlich auf die A42 zu leiten. Da raunt das Publikum: Endlich was Konkretes!

Uns gefällt am besten der Typ auf der Bühne, bei dem wir uns fragen, ob sich Hape Kerkeling wohlmöglich als Werner Müller verkleidet hat und seine legendäre „Hurz“-Nummer fürs Business-Publikum abgewandelt vorführt?!

Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger – eine von sechs (!) Beratungen übrigens, die an dem Zukunftsprojekt herum murxen durfte – fand die Show „TOLL“!

Aber sehen Sie selbst – einfach auf den roten Button klicken und los geht’s:

 


Link: sevenload.com

Kommentare:

Brigitte schreibt am 18.10.2007 23:40:

Manchmal sagt eine Hand voll ausgefeilter Polemik mehr als alle Worte. Habe herzlich gelacht - sehr geglückt!

Katja schreibt am 18.10.2007 14:37:

@ThomasE und alle, die sich für's Barcamp interessieren:

Gestern abend haben wir Mario Sixtus getroffen, der uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass es von ihm einen Videobeitrag gibt über das Barcamp Köln

http://www.elektrischer-reporter.de/index.php/site/film/49/

Interessant, wenn man mehr darüber erfahren will. Und wir finden die Idee einer alternativen "Zukunfts-Veranstaltung" super. Gruß von den Potteusen

Klaudia schreibt am 17.10.2007 09:27:

kenne nur die pl0gbar unter anderem in Bochum (Köln usw). War aber noch nie dort und ist auch eher ein Stammtisch.

www.pl0gbar.de

ThomasE schreibt am 17.10.2007 09:12:

Wo die Rede grade von Zukunft ist - weiß jemand etwas über eventuelle Planungen zu einem BarCamp http://www.barcamp.org im Ruhrgebiet? Abgesehen jetzt von dem Jungblogger-Camp Ende '08 in Köln (eh nicht echt Pott).

Wenn nicht - sollte man über sowas nicht mal nachdenken? So als "echten Zukunftskongress".

Klaudia schreibt am 17.10.2007 08:20:

so gruselig und albern zugleich! Mr. Zukunft? Der kann ja noch nicht mal richtig laufen ;-) Die Videosequenzen erinnern mich an die Videos der Dharmainitiative in der Serie LOST. Ist alles nur ein Experiment? Ich hoffe, dass die Zukunft nicht so steif, blau und grauhaarig ist.

Britta schreibt am 16.10.2007 22:50:

..wie isset nur möglich... das bringt`s wohl auf den Punkt. Ich sitze mit offenem Mund ungläubig guckend vor meinem Notebook. Also ich bin Fan von Visionen, ganz ehrlich. Und Wandel find ich auch gut. Wir haben grad in unserem eigenen Blog über Visionen geschrieben. Ich finde schon, dass das Ruhrgebiet die braucht. Um den Anschluss an andere Regionen nicht zu verlieren. Aber was ist das?? Wabbelige, sphärische Klänge, blaues Licht?? Hat da jemand Visionen mit Halluzinationen verwechselt? Roland Berger`s Consultants etwa?? Ich finde, Angela guckt auch etwas irritiert im Video :-)

Ihr habt alle recht, da hilft nur Humor!

ThomasE schreibt am 16.10.2007 22:48:

Wenn bei einem Zukunftsgipfel nur grauhaarige Herren anwesend sind, dürfte dies bereits alles über die Zukunftsträchtigkeit der Veranstaltung aussagen.

weltkind schreibt am 16.10.2007 22:13:

um mit mutter kempowski zu reden: "wie isses nur moeglich." ich habe herzhaft gelacht.

schlimm genug, dass uns herr mueller mit dieser in die stadtlandschaft geknallten lila kondomschachtel namens "evonik" beglueckt hat. und jetzt sowas. man sollte es so halten wie ihr: es mit humor nehmen. alles heisse luft. ob herr mueller auf dauer mit dieser luftnummer durchkommt? abwarten und weiter geld verpulvern.....

Kommentar schreiben:

Mit * markierte Felder sind erforderlich